Wieso will die Inflation in der Eurozone nicht steigen und was kann die Europäische Zentralbank tun?

2 %! Dies ist ungefähr die angestrebte Inflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB) – bei diesem Niveau geht sie von stabilen Preisen und einem soliden Wirtschaftswachstum aus. Doch von dieser Zielmarke ist die EZB noch weit entfernt. Trotz milliardenschwerer Anleihenkäufe der Notenbanker steigen die Preise nicht. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Allein im September lag die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 % niedriger.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist in erster Linie der extrem gefallene Ölpreis. So notierten im September die Energiepreise in der Eurozone um 8,9 % tiefer als vor einem Jahr. Rechnet man diesen Kostenpunkt heraus, liegt die Inflationsrate deutlich höher– im September z.B. bei 0,9 %. Allerdings ist auch dies noch weit entfernt von den angestrebten 2 %. Es muss also noch andere Gründe geben. Die schwächelnde Weltwirtschaft hat ebenfalls einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Preise. Je höher das Wachstum ausfällt, desto mehr steigen in der Regel die Preise. Brummt die Wirtschaft, ist die Beschäftigungsquote hoch und die Menschen geben einen größeren Teil ihres Einkommens für den Konsum aus.

Die aktuell teils hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone sowie die älter werdende Bevölkerung führen dagegen zu einer höheren Sparquote. Zudem kamen die Geldspritzen der EZB bis dato nicht in der Realwirtschaft an. Auch wenn die Banken gerne mehr Kredite vergeben würden, die Nachfrage seitens der Unternehmen und Verbraucher ist nach wie vor gering. Die Folgen sind kaum Investitionen und ein geringer Konsum, was wiederrum die Wirtschaft schwächt und die Preise drückt.

Gewinner einer niedrigen Inflation sind auf den ersten Blick die Verbraucher. Denn sie können sich mehr leisten. Vor allem wenn wie derzeit die Löhne stärker steigen als die Inflation. Auf der anderen Seite könnten viele Menschen dazu neigen, Anschaffungen und Investitionen zu verschieben – denn diese könnten ja in Zukunft günstiger werden. Im schlimmsten Fall entsteht eine Abwärtsspirale aus rückläufigen Preisen und einer schrumpfenden Wirtschaft. Genau dieses Szenario fürchtet auch die EZB und versucht dem entgegenzuwirken.

Als Notenbankchef Mario Draghi im März des laufenden Jahres den Start des Anleihenkaufprogramms bekanntgab, war die Hoffnung groß, dass die Wirtschaft in der Eurozone an Fahrt gewinnt und die Inflation sich langsam der 2-%-Marke nähert. Doch bis dato ist davon nichts eingetreten. Aus diesem Grund wurden in letzter Zeit vermehrt Stimmen laut, die weitere Maßnahmen der EZB forderten – und allen Anschein nach wurden sie erhört. Im Anschluss an die letzte Notenbanksitzung verkündete Draghi, dass die Währungshüter im Dezember ihre Geldpolitik überprüfen werden. Dies heißt nichts anderes, als eine weitere Öffnung der Geldschleusen. Zur Debatte dürften vermutlich eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms oder eine weitere Senkung des Einlagezinses für Guthaben der Geschäftsbanken stehen.

Aktuell liegt der Einlagezins bei -0,2 %, das heißt, wenn Banken über Nacht Geld bei der EZB deponieren, müssen sie einen Strafzins zahlen. Dieser könnte ihn Zukunft noch größer und somit schmerzhafter sein. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Banken dazu zu bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Unabhängig davon was im Dezember letztendlich beschlossen wird, die Börsen zeigten sich in der ersten Reaktion hoch erfreut und die Aktienmärkte stiegen deutlich an. Möglicherweise gab die EZB hiermit den Startschuss für die Jahresendrally.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen.

 

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