Wie entstehen Spekulationsblasen?

Kryptowährungen sind in aller Munde – nach spektakulären Kursexplosionen im vergangenen Jahr haben viele der Coins seit einigen Wochen den Rückwärtsgang eingelegt. Allein der Bitcoin verlor von seinem Hoch bei rund 20.000 US-Dollar im Dezember 2017 bis Ende letzter Woche fast 60 % seines Werts. Viele sprechen daher schon vom Platzen einer Blase. Ob dies wirklich der Fall ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Parallelen zu historischen Spekulationsblasen sind allerdings vorhanden.

Blasen der Vergangenheit
Die erste ausführlich dokumentierte Spekulationsblase war die Tulpenmanie in Holland, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Aufgrund einer starken Nachfrage und eines knappen Angebots stiegen die Preise für Tulpenzwiebeln von 1636 bis 1637 in astronomische Höhen. Seltene Zwiebeln wurden sogar zu einem Preis, der vergleichbar mit einem Amsterdamer Grachtenhaus war, gehandelt. Als die Tulpenblase platzte, lösten die Verkäufe eine Art Lawine aus – innerhalb von drei Monaten fielen die Preise um rund 90 %, ohne sich noch einmal zu erholen.

Diese Art von Übertreibung findet sich an den Finanzmärkten immer wieder. Vielen Anlegern dürfte aus der jüngsten Vergangenheit noch die Dot-Com-Blase zur Jahrtausendwende oder die US-Immobilienblase vor wenigen Jahren in Erinnerung sein.

Gründe für Spekulationsblasen
Die erste Voraussetzung für eine Spekulationsblase ist eine an Wert steigende Anlageklasse, wie beispielsweise Immobilien oder Aktien. Der Anstieg weckt die Aufmerksamkeit vieler Anleger und Spekulanten. Nach einiger Zeit setzt eine Art Herdentrieb ein und immer mehr Anleger wollen auf den fahrenden Zug aufspringen. Letztendlich steigen die Preisen und ein sich selbstverstärkender Boom entsteht.

Viele Blasen haben auch gemeinsam, dass es sich um neue Errungenschaften handelt, wie im 16. Jahrhundert die Tulpenzwiebel, vor rund 20 Jahren das Internet oder heute die Kryptowährungen. Häufig weckt dies die Phantasie der Anleger. Die Hoffnungen, die in die neuen Entwicklungen oder Technologien gesteckt werden, können zu überproportionalen Anstiegen der jeweiligen Anlageklasse führen. Getreu dem Motto „Diesmal ist alles anders“ werden auch gerne berechtigte Zweifel hinweggewischt.

Ebenfalls förderlich für die Entstehung einer Spekulationsblase ist ein gutes, gesundes wirtschaftliches Umfeld mit geringer Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. Viele Anleger projizieren die Ist-Situation in die Zukunft und konsumieren mehr. Zudem lockern Banken in solchen Zeiten gerne die Kreditvergabe, was teilweise zu Spekulationen auf Pump führt.

Irgendwann ist allerdings der Höhepunkt erreicht, es kommen keine neuen Anleger bzw. Spekulanten hinzu und Anschlusskäufe finden auch nicht mehr statt – die Preise beginnen zu fallen. Panik macht sich bei den investierten Anlegern breit und immer mehr verkaufen. Oft stabilisieren sich die Preise nach den ersten 10 bis 20 % und eine Erholung setzt ein. Allerdings ist diese meist nur von kurzer Dauer und eine neue Verkaufswelle startet. Hinzu kommt, dass einige Spekulanten ihre vorangegangenen Käufe über Kredit finanziert haben und nun gezwungen sind, um jeden Preis zu verkaufen. Dies führt zu einer Beschleunigung des Abwärtstrends. Der Preis der Wertanlage fällt, bis sie günstig genug ist, um wieder eine größere Anzahl Käufer anzulocken.

Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgende HTML-Tags und Attribute können Sie verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren   Akzeptieren