Wenn Banker an der Zinsschraube drehen – die Geldpolitik der Notenbanken

Mit Spannung wird die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 6. Juni erwartet. Doch aller Voraussicht nach wird EZB-Chef Mario Draghi keine großen Änderungen der aktuellen Geldpolitik verkünden. Für eine Erhöhung des Leitzinses ist die aktuelle Wirtschaftslage zu schwach und auch die Inflation ist von dem angestrebten Wert noch weit entfernt.

Zinsniveau bleibt niedrig

Ende des vergangenen Jahres hat die EZB die umstrittenen Anleihekäufe eingestellt. Sparer, die nun auf weitere restriktive Maßnahmen, etwa eine Zinserhöhung, hoffen, müssen sich noch länger in Geduld üben. Der seit März 2016 auf 0,0 % verharrende Leitzins wird wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht angetastet. Die Sorge vor einer Eintrübung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone lässt die Notenbanker zögern. Vor allem die jüngsten protektionistischen Entwicklungen zwischen den USA, China und Europa könnten sich negativ auf die Konjunktur auswirken. Zudem hat die Inflationsrate noch nicht das angestrebte Ziel von 2% erreicht. Laut Statistischem Amt der Europäischen Union (Eurostat) lag die jährliche Inflationsrate im Euroraum im April 2019 bei 1,7% und in der EU bei 1,9%. Die Kerninflation – ohne Berücksichtigung von Energie – betrug lediglich 1,3%.

Ebenfalls unangetastet bleibt seit einiger Zeit der so genannte Einlagezins. Banken, die überschüssige Gelder kurzfristig bei der EZB einlagern, müssen hierfür einen Strafzins in Höhe von 0,4% bezahlen. Aufgrund der momentanen Konjunkturschwäche ist sogar eine weitere Senkung dieses Zinssatzes denkbar. Aktuell preisen die Märkte eine Absenkung um 0,05% auf minus 0,45% ein.

Fed bläst Zinserhöhung ab

Eine restriktivere Geldpolitik verfolgte dagegen die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed). Im vergangenen Jahr haben die Währungshüter den Leitzins insgesamt viermal auf die aktuelle Spanne von 2,25% bis 2,5% erhöht – eine Entwicklung, die 2019 eigentlich so weitergehen sollte. Rechneten Anfang dieses Jahres noch viele Marktteilnehmer mit zwei weiteren Zinsschritten, zeigt sich die Fed inzwischen deutlich zurückhaltender. Nachdem sie im März die erwartete Zinserhöhung absagte, signalisierte sie in ihrem Ausblick, dass 2019 diesbezüglich nichts mehr passieren könnte. Ähnlich wie der EZB bereiten auch der Fed der Handelskonflikt zwischen den USA und China und die möglichen Auswirkungen auf die Konjunktur Sorgen.

Jüngst war sogar wieder von einer lockereren Geldpolitik die Rede. So ließ der Vizepräsident der Fed, Richard Clarida, kürzlich verlauten, dass eine Eintrübung des Wirtschaftswachstums eine Anpassung der geldpolitischen Maßnahmen erfordern könnte. Zahlreiche Marktteilnehmer rechnen daher in der zweiten Jahreshälfte mit einer Senkung des Leitzinses. Bis zur einer Normalisierung der Geldpolitik und einem attraktiven Zinsniveau für Sparer dürfte somit noch einige Zeit ins Land gehen.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar.

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