Was ist Hochfrequenzhandel?

Zuerst im Jahre 2000 in den Vereinigten Staaten aufgetreten, ermöglicht es der Hochfrequenzhandel, Tausende von Ordern pro Sekunde durchzuführen. Die Transaktionen werden dabei durch einen programmierten Algorithmus von Hochleistungsrechnern ausgeführt.

Definition

Der Hochfrequenzhandel umfasst Kauf und Verkauf von Produkten an der Börse mit sehr hoher Geschwindigkeit – im Durchschnitt alle 100 Mikrosekunden (100 Millionstel einer Sekunde). Dies alles wird durch einen Algorithmus ausgeführt, der auch als high-frequency trading (HFT) bezeichnet wird. Dieser führt drei Schritte auf einmal durch:

  • Er analysiert die Orderbücher der Börsenwerte. 
  • Er wendet die Technik des „Scalpings“ an: Es werden Aktien gekauft, nur um sie wenige Sekunden später wieder zu verkaufen und damit kleine Kursgewinne zu erzielen. Das Ziel ist dabei, große Gewinner zu realisieren, indem die Transaktion vervielfältigt und tausende Male pro Tag durchgeführt werden.
  • Der dritte Schritt umfasst die Manipulation des Kurses. Der Algorithmus führt eine große Anzahl an Ordern durch, um die Investoren in seinem Sinne zu motivieren. In dem Moment, in dem sie ihre Order abgeben, annulliert der Hochfrequenzhändler seine Ordern und gibt gegenteilige Ordern ab, um einen Kursgewinn zu realisieren. Beispiel: Der HFT besitzt die Aktien A. Er gibt also eine große Anzahl an Kaufordern für die Aktie A ab. Die klassischen Trader machen das gleiche und treiben damit den Kurs in die Höhe. In diesem Moment annulliert der Algorithmus alle seine Kaufordern und stellt Verkaufsordern der Aktien A ein, die er besitzt. Auf diese Weise wird ein bedeutender Kursgewinn realisiert.

Der Hochfrequenzhandel machte im Jahre 2011 30% der an den europäischen Börsen durchgeführten Transaktionen aus. In den Vereinigten Staaten macht dieser Anteil im Jahre 2009 sogar 73% aus. Allerdings: Wenn ein solcher Handelsalgorithmus einmal außer Kontrolle gerät, ist der nächste Börsenkrach nicht mehr weit.

Vorteile und Risiken von Hochfrequenzhandel

Der Hochfrequenzhandel hat den Vorteil, dass er für eine Liquidität der Finanzmärkte sorgt. Der Handel zwischen den anderen Investoren erfolgt schneller und zu den gefragten Preisen. Dies reduziert wiederum die Risiken zu hoher Volatilität der Kurse, das heißt zu schneller und großer Schwankungen.

Die Risiken des HFT sind jedoch ebenso bedeutend. Sie können die Kurse eines Handelsplatzes rapide fallen lassen und eine große Finanzkrise in nur wenigen Sekunden auslösen, wie z.B. den Flash Crash am 6. Mai 2010. An diesem Tag erlitt der Dow Jones (der maßgebliche Index der New Yorker Börse) Wertverluste von 10% innerhalb von 10 Minuten, bevor er wieder rapide anstieg.

Neben der Tatsache, dass diese Krise durch einen Algorithmus des HFT ausgelöst wurde, sind die Ursprünge dieser Blitzkrise unklar. Sie wurde durch eine Verkaufsorder von Derivaten im Wert von mehr als 4 Mrd. Dollar herbeigeführt. Verkäufe dieser Größenordnung werden normalerweise in zahlreiche kleine Order zu verschiedenen Preisen aufgeteilt, um eine Panik unter den Händlern zu vermeiden. Stattdessen wurde die Order jedoch auf einmal gestellt, was die anderen Händler – ob computergesteuert oder nicht – dazu bewog, ihre Aktien so schnell wie möglich zu verkaufen. Der Sturz verursachte einen Fall aller anderen Werte an der amerikanischen Börse, einige fielen sogar um mehr als 90%.

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