Was ist ein Börsengang?

Will ein Unternehmen an die Börse, muss es zunächst eine bestimmte Finanzoperation durchführen, den Börsengang. Was passiert bei einem Börsengang? Welche Verfahren gibt es?

Was versteht man unter einem Börsengang?

Beim Börsengang verwandelt ein Unternehmen sein Kapital oder Teile davon in Aktien, die an der Börse gehandelt werden können. Das Unternehmen kann mit dem frischen Kapital der Investoren (Institutionelle Investoren oder Privatanleger) sein Wachstum vorantreiben. Das Unternehmen stellt so seine Finanzierung auf eine breitere Basis und ist nicht mehr nur von Bankkrediten abhängig.

Das Unternehmen muss für einen Börsengang einige Voraussetzungen erfüllen. Für einen Börsengang an der Wiener Börse zum Beispiel gelten folgende Bestimmungen:

  • Rechtsform einer AG
  • Die Jahresbilanzen der letzten drei Geschäftsjahre müssen vorgelegt werden und testiert sein, um nachzuweisen, dass das Unternehmen seit mindestens drei Jahren besteht.
  • Die Höhe des Streubesitzes („Free Float“ nicht unter 25%) und das Emissionsvolumen muss eine gewisse Mindestgröße (20-30 Millionen Euro) erreichen, um Liquidität und eine marktgerechte Kursfeststellung zu ermöglichen.
  • Die erforderlichen Mindestgrößen für Umsatz und Gewinn des Unternehmens ergeben sich in Abhängigkeit von den branchenüblichen Umsatz- und Gewinnmultiplikatoren.

Die verschiedenen Verfahren für einen Börsengang

Vor dem Börsengang muss das Unternehmen festlegen, nach welchem Verfahren der Börsengang abgewickelt werden soll. Man unterscheidet vier Verfahren:

    • Bookbuilding-Verfahren: Der Preis der Aktien bewegt sich in einer vorgegebenen Preisspanne. Die Investoren geben ihre Kaufangebote in dieser Preisspanne ab. Ist das Orderbuch voll, wird der Emissionskurs (der erste Aktienkurs beim Börsengang des Unternehmens) entsprechend der angebotenen Preise und der angefragten Volumen festgelegt. Es werden nur jene Kaufangebote angenommen, die über diesem Kurs liegen.
    • Festpreisverfahren: Die Aktien werden zu einem festgelegen Preis verkauft. Alle Kaufangebote werden, je nach Verfügbarkeit, entsprechender einer Zuteilungsquote abgewickelt. Die Vermögenswerte können so gerecht zugeteilt werden.
    • Auktionsverfahren: Die Aktien werden zu einem Mindestpreis angeboten. Alle Kaufangebote über diesem Preis werden akzeptiert. Entsprechend den Beträgen, die die Investoren anbieten, werden Preisklassen mit Zuteilungsquoten festgelegt. Der Emissionskurs wird dann mit dem niedrigsten Verkaufspreis festgelegt.
    • Direkte Zuteilung: Wie beim Auktionsverfahren werden die Aktien zu einem Mindestpreis angeboten. Ist das Orderbuch voll, dann wird der Emissionskurs so festgelegt, dass die Stückelung möglichst hoch ist.

 

Die Kapitalerhöhung

Das Unternehmen notiert bereits an der Börse. Es gibt neue Aktien aus, um z.B. seine Schulden zu reduzieren oder Kapital für neue Investitionen aufzustellen. Die Verfahren und Voraussetzungen für eine Kapitalerhöhung entsprechen jenen eines Börsengangs.

Die Altaktionäre haben besondere Bezugsrechte. Sie haben ein bevorzugtes Zeichnungsrecht bei der Ausgabe neuer Aktien.

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