Warum schlechte Wirtschaftsjahre häufig gute Börsenjahre sind

2009 steckte die Weltwirtschaft in einer ihrer größten Krisen – rund um den Globus brach das Wachstum dramatisch ein. In Österreich ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,8 % zurück. Während die Wirtschaft nahezu zum Stillstand kam, kannten die Börsen dagegen nur eine Richtung: nach oben. Allein der ATX konnte in dem Jahr um über 40 % zulegen. Dies war der stärkste Kurszuwachs der letzten zehn Jahre. Als zwei Jahre später die Wirtschaft wieder brummte und das BIP in Österreich um 3,1 % wuchs, gingen die Börsen in die Knie. 2011 verlor der ATX rund 35 %. Verkehrte Welt? Keineswegs.

Wirtschaftszyklus vs. Börsenzyklus

Eigentlich sollte man vermuten, dass ein hohes Wirtschaftswachstum sich auch positiv auf die Kursentwicklungen an den Börsen auswirkt. Doch häufig ist das Gegenteil der Fall – gute Wirtschaftsjahre sind schlechte Börsenjahre und andersrum. Dies liegt daran, dass Wirtschaftszyklus und Börsenzyklus nicht synchron verlaufen. Die Börsen spekulieren auf die Zukunft. Sie nehmen die wirtschaftliche Entwicklung vorweg.

Die Börse läuft der Wirtschaft voraus

In einem normalen Wirtschafts- oder Konjunkturzyklus lassen sich fünf Phasen unterscheiden. Es handelt sich dabei um die Aufschwungsphase (Expansion, Erholung), die Hochkonjunktur (Vollbeschäftigung), den Boom (Überbeschäftigung), den Konjunkturabschwung (Rezession, Abkühlung) und die Tiefphase (Depression). Befindet sich die Konjunktur beispielsweise gerade in einer Hochphase und die Wirtschaft boomt, ziehen sich die ersten Anleger in Erwartung einer sich möglicherweise schon bald verschlechternden Situation aus Aktien zurück, und die Kurse beginnen zu fallen.

Ähnlich sieht es bei einem Konjunkturabschwung oder gar einer Depression aus: Die meisten Privat- und Kleinanleger haben Verluste erlitten und trauen sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu investieren. Institutionelle Investoren dagegen handeln teils antizyklisch und spekulieren auf eine bessere Zukunft. Die Aktien haben somit ihre Besitzer gewechselt, sie sind von den so genannten schwachen Händen (Privatanleger) in die starken Hände (institutionelle Anleger) übergegangen.

Den richtigen Zeitpunkt finden

Zwar verlaufen die Zyklen nicht immer gleich, aber trotzdem sollten sich Anleger die Zusammenhänge bewusst machen, um ihre Ein- und Ausstiege zu optimieren. Wenn die Börse in wirtschaftlich düsteren Zeiten anfängt Stärke zu zeigen und die Kurse trotz schlechter Nachrichten nicht weiterfallen, ist meist der Punkt gekommen, erste Positionen aufzubauen. Ebenso sollten Anleger bei allzu großer Euphorie über Gewinnmitnahmen nachdenken.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen.

 

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