Warum ist antizyklisches Handeln so schwer?

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“ – Was sich so martialisch anhört, ist eine der bekanntesten Börsenweisheiten. Der Grundgedanke hinter diesem Spruch ist das antizyklische Investieren, d.h. Aktien oder andere Wertpapiere zu kaufen, wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer kein Interesse daran hat. Auslöser hierfür können beispielsweise geopolitische Unruhen sein, negative Unternehmensmeldungen oder einfach nur schlechte Stimmung an den Börsen.

Die Strategie des antizyklischen Investierens basiert auf der Annahme, dass die Mehrheit der Anleger nicht rational handelt und die Börsenkurse sich zyklisch bewegen. Ist das Gros der Marktteilnehmer positiv eingestellt, gehen antizyklische Investoren davon aus, dass die meisten schon investiert haben und kaum noch kaufwillige Anleger existieren. Das heißt, dass früher oder später das Kaufinteresse nachlassen wird, was anfangs zu stagnierenden und später zu fallenden Kursen führen könnte. Das Gegenteil ist der Fall, wenn das Interesse an Aktien deutlich nachlässt. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass viele Anleger bereits ausgestiegen sind und es kaum noch potenzielle Verkäufer gibt. In Folge dessen könnte auf absehbare Zeit die Nachfrage wieder das Angebot überflügeln und die Kurse beginnen zu steigen.

Anders als die Masse handeln

Was sich in der Theorie so einfach anhört, ist in der Praxis relativ schwer umzusetzen – auch an der Börse ist es alles andere als leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Der Grund hierfür ist unter anderem die menschliche Psyche. Allgemein lassen sich Anleger gerne von der guten Stimmung anstecken und investieren daher bevorzugt in bestehende Trends. Häufig tritt dann der Fall ein, dass nahe eines Hochs gekauft wird. Dies ist auch kein Wunder, denn genau zu diesem Zeitpunkt ist die Euphorie am größten, die Medien berichten über phantastische Kursgewinne und man hat Angst, etwas zu verpassen.

Apropos Medien. Zeitungen und Magazine können eine gute Hilfe für antizyklische Investoren sein. Denn genau dann, wenn die Schlagzeilen voll sind mit Börsengewinnen und heißen Aktientipps, werden die so genannten Contrarians vorsichtig bzw. beginnen zu verkaufen. Fallen dagegen die Börsen oder einzelne Aktien trotz schlechter Nachrichten nicht mehr, lässt dies auf das Erreichen der Talsohle schließen – für antizyklische Investoren ist das ein guter Zeitpunkt, erste Positionen aufzubauen.

Den Wert einer Aktie bestimmen

Die Fähigkeit, anders als die Masse zu investieren, reicht aber meist nicht aus. Erfolgreiche antizyklische Investoren sind häufig auch gute Value-Anleger. Das heißt, sie können anhand fundamentaler Kennzahlen den Wert einer Aktie sehr gut bestimmen. Denn nicht selten kommt es vor, dass vermeintlich günstige Aktien zu Recht keine Käufer finden. Zudem muss ein Contrarian teilweise viel Geduld mitbringen. Je nach Aktie kann es teilweise sehr lange dauern, bis diese auch von anderen Anlegern entdeckt wird und die Kurse anfangen zu steigen.

Für Privatinvestoren ist das Umsetzen einer antizyklischen Strategie nicht leicht. Doch wer aufmerksam die Nachrichtenlage und die Stimmung an den Börsen beobachtet sowie dem Mainstream nicht blind folgt, kann vielleicht so manche unangenehme Überraschung vermeiden oder auch mit etwas Glück das ein oder andere Schnäppchen machen.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen.

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