Terminkontrakte: Wie der Handel mit Futures und Optionen funktioniert

Nahezu jeder Privatanleger hat schon einmal von Futures und Optionen gehört, doch gehandelt haben die wenigsten eines dieser Produkte. Was steckt hinter der vermeintlichen Königsdisziplin des Börsenhandels?

Optionen und Futures gehören zur Kategorie der Derivate, und obwohl beide oft in einem Zusammenhang genannt werden, unterscheiden sie sich in der Praxis stark voneinander. Der grundlegende Unterschied liegt in den Verpflichtungen, die sie ihren Käufern und Verkäufern auferlegen. Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Verpflichtung, einen bestimmten Vermögenswert zu einem bestimmten Preis jederzeit während der Laufzeit des Vertrages zu kaufen (oder zu verkaufen). Ein Future-Kontrakt verpflichtet den Käufer zum Kauf eines bestimmten Vermögenswertes, z.B. Aktienindizes, Edelmetalle oder Rohstoffe, und den Verkäufer zum Verkauf und zur Lieferung dieses Vermögenswertes zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt.

Optionen mit Blick in die Zukunft

Bei Optionen wird zwischen so genannten Call- und Put-Optionen unterschieden. Kauft ein Anleger eine Call-Option, hat er das Recht, eine Aktie vor oder bei Verfall zum Ausübungspreis (Strike) zu kaufen. Angenommen, es gibt eine Call-Option zum Kauf der Aktie XY zu einem Ausübungspreis von 50 Euro und die Option läuft in drei Monaten aus. Wenn die Aktie vor oder nach Ablauf der Frist über 50 Euro gehandelt wird – beispielsweise bei 60 Euro – kann der Call-Käufer sein Recht ausüben und die Aktie für 50 Euro kaufen. Die Differenz von 10 Euro ist sein Gewinn. Alternativ kann er den Call auch einfach so verkaufen und den Gewinn von 10 Euro pro Aktie zuzüglich des verbleibenden Zeitwerts einvernehmen. Wenn die Option nach Ablauf der Frist unter 50 Euro gehandelt wird, ist die Option wertlos und der Call-Käufer verliert, was er für den Erwerb der Option bezahlt hat, die so genannte Prämie.

Bei einer Put-Option erwirbt der Käufer dagegen das Recht, die Aktie zum Ausübungspreis zu verkaufen. Rechnet beispielsweise ein Anleger mit fallenden Kursen bei Aktie XY, erwirbt er eine Put-Option mit Strike 50 Euro. Fällt die Aktie nun auf 40 Euro, kann er sie rein theoretisch für 50 Euro verkaufen und gleich wieder für 40 Euro kaufen. Er macht somit einen Gewinn von 10 Euro. Ähnlich wie bei er Call-Option kann er aber auch die Option veräußern und den Gewinn abzüglich der Kosten für die gezahlte Prämie kassieren. Notiert die Aktie zum Stichtag allerdings über 50 Euro verfällt die Option wertlos.

Genauso gut können Anleger auch Optionen verkaufen. Allerdings gilt hier zu beachten, dass beim Verkauf einer Call-Option das Risiko über einen Totalverlust hinausgeht, da ein Aktienkurs theoretisch extrem ansteigen kann und der Verkäufer verpflichtet ist, die Aktie, egal zu welchem Preis, an den Käufer zu liefern. Beim Verkauf einer Put-Option ist das Risiko begrenzt, da der Wert einer Aktie maximal auf null fallen kann. Der Gewinn ist in beiden Fällen die beim Verkauf erhaltene Prämie. Ein Käufer einer Option kann dagegen maximal die Prämie verlieren.

Futures sind vertraglich bindend

Bei einem Future oder auch Terminkontrakt existiert eine Verpflichtung, eine Ware oder einen Vermögenswert zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen oder zu kaufen.

Angenommen, zwei Händler oder Trader vereinbaren 120 US-Dollar pro Barrel für einen Öl-Future-Kontrakt. Der Käufer verpflichtet sich somit, Öl für 120 US-Dollar nach Ablauf der Frist zu kaufen, und der Verkäufer verpflichtet sich, Öl zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Steigt der Ölpreis zum Stichtag auf 130 US-Dollar, verdient der Käufer des Futures Geld, da er das Öl zum Preis von 120 US-Dollar kaufen kann, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bei 130 US-Dollar notiert. Im Gegenzug verliert der Verkäufer die Differenz zwischen vereinbartem und tatsächlichem ÖL-Preis.

Anhand dieses Beispiels wird auch der ursprüngliche Gedanke von Futures deutlich. Damit können Unternehmen, Produzenten und Lieferanten schon zu zukünftigen Terminen Preise vereinbaren. Dies gewährleistet ihnen eine gewisse Planungssicherheit.

Kurzfristige Trader sind dagegen nicht an der physischen Lieferung von z.B. Öl oder Kakao interessiert, sie wollen von der Preisänderung des Kontrakts profitieren und verkaufen daher vor dem Fälligkeitstermin. Da bei einem Kauf eines Futures lediglich eine Anfangsmarge, die nur ein kleiner Prozentsatz des hinterlegten Wertes ist, bezahlt werden muss, können mit relativ geringen Einsätzen große Mengen an Kapital bewegt werden. Entsprechend hoch können auch die Gewinne und Verluste ausfallen.

Zusammengefasst betrachtet, bieten Futures und Optionen große Chancen, aber auch hohe Risiken.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf/Verkauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar. Alle Angaben dienen nur der Unterstützung Ihrer selbstständigen Anlageentscheidung.

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