Spaniens Wirtschaft auf Erholungskurs – doch neue Sorgen machen sich breit

Spanien wurde von der Finanzkrise besonders hart getroffen – die Wirtschaft brach ein und die Arbeitslosigkeit schoss nach oben. Doch inzwischen ist Besserung in Sicht. Zumindest hat sich die Wirtschaft deutlich erholt und wächst schneller als in vielen anderen Ländern der Eurozone. Leider ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit extrem hoch und auch die jüngsten Entwicklungen in Katalonien sowie der Ausgang der Parlamentswahlen in wenigen Wochen könnten den noch zarten Aufschwung auf eine harte Probe stellen. Mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in zweiten Quartal von 1,0 % gegenüber dem Vorquartal hat die Wirtschaft Spaniens zum dritten Mal in Folge an Schwung gewonnen. Auf Jahressicht betrug das Wachstum im zweiten Quartal 3,1 %. Länder wie beispielsweise Deutschland und Österreich liegen mit einem Zuwachs von nur 1,6 % bzw. 0,4 % weit hinter der iberischen Halbinsel. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass der Erholung eine tiefe Rezession vorausging und dementsprechend niedrig war die Ausgangsbasis.

Die positive Entwicklung der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist hauptsächlich auf eine konsequente Umsetzung einer ambitionierten Reformagenda zurückzuführen. So gelang es der Regierung in Madrid die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, den Bankensektor – mithilfe eines Finanzhilfeprogramms des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) – zu stabilisieren und den Schuldenstand des Privatsektors zu verringern. Die Reformpolitik unter dem amtierenden konservativen Ministerpräsident Mariano Rajoy ist allerdings auch mit starken Einsparungen verbunden und stößt daher bei der Bevölkerung nicht immer auf Gegenliebe. Mit Spannung werden daher die Parlamentswahlen Ende des Jahres erwartet.

Ähnlich wie in Griechenland kann es auch in Spanien zu einem Linksruck kommen. Nach den letzten Umfragen im August liegt die regierende Volkspartei mit 28,2 % zwar wieder vorne, gefolgt von den Sozialisten mit 24,9 % und der linken Podemos mit 15,7 %, doch der überraschend klare Sieg der Syriza-Partei könnte den Protestwählern wieder Aufwind geben. Derzeit interessanter als der Ausgang der Wahlen in rund drei Monaten sind die Entwicklungen in Katalonien. Nach dem bei den Regionalwahlen vor wenigen Wochen die Befürworter der Unabhängigkeit die absolute Mehrheit im Regionalparlament erlangt haben, steht Spanien womöglich vor einer Zerreisprobe. Die Region im Nordosten des Landes mit ihrer Hauptstadt Barcelona steht wirtschaftlich sehr gut da. Katalonien macht rund 20 % der Wirtschaftsleistung Spaniens aus. Ein Zustand von dem auch die dortige Bevölkerung profitiert. So war im Jahr 2014 das Pro-Kopf-Einkommen mit 28.200 Euro deutlich über dem Durchschnitt (22.800 Euro). Dazu ist die Arbeitslosigkeit mit rund 19 % für spanische Verhältnisse niedrig. Sollte es wirklich zu einer Abspaltung Kataloniens kommen, wäre dies äußerst schmerzhaft für den Rest des Landes.

Nachdem die Finanzmärkte gerade die Gefahr eines Grexits verdaut haben droht nun also der Catexit? Zumindest reagierten reagieren einige Marktteilnehmer nervös. So sind beispielsweise die Renditen spanischer Staatsanleihen gestiegen. Trotz dieser Ausschläge an den Rentenmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Abspaltung im Moment jedoch noch als sehr gering angesehen. Viele Experten sind sich einig, dass solch ein Schritt sowohl Spanien als auch Katalonien mehr schaden als nutzen würde.

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