Shopping neu erfunden: Amazon Go.

Stellen Sie sich vor: Sie gehen in einen Laden, prall gefüllt mit verführerischen Produkten, die alle „Kauf mich! Kauf mich!“ schreien. Sie warten keine Sekunde auf diese Aufforderung, packen alles in Ihren Einkaufswagen. Und da, wo am Ende einer Shoppingtour normalerweise eine Kassa steht und man spätestens bei der Gesamtsumme seiner Einkäufe unsanft auf dem Boden der Realität landet, lesen Sie ein Schild, auf dem steht: „Vielen Dank, dass Sie hier waren. Einen schönen Tag noch und bis bald!“ Sie hetzten hinaus, werfen alles in Ihren Kofferraum, drücken aufs Gas und lassen einen Glücksschrei los, weil Sie nicht zahlen mussten…

Ganz so paradiesisch ist es leider nicht. Aber fast. Amazon hat das Shopping revolutioniert. Der Online-Riese geht den umgekehrten Weg und hat nun nach langer Erprobungsphase einen echten Supermarkt für die Öffentlichkeit in Seattle eröffnet, der ganz ohne Kassa auskommt. Und wer jetzt denkt, dass man nicht zahlen muss, irrt gewaltig. Man merkt es nur nicht – zumindest nicht bis zur nächsten Kreditkartenabrechnung.

Rein darf, wer’s draufhat.

Um den riesigen, 1.800 qm großen Laden zu betreten, muss auf seinem Handy die „Amazon Go“-App installiert haben. Damit registriert man sich beim Betreten des Geschäfts und der Rest läuft dann völlig digital ab. Aber nicht unbeobachtet. Denn überall verfolgen Kameras die Bewegungen und Kaufentscheidungen des Kunden. Zusätzlich sind Waagen im Einsatz, die alles messen, sobald etwas aus den Regalen genommen wird. Und schwupps landet dann alles sowohl im echten als auch im virtuellen Einkaufskorb. Laut Amazon werden von den Kameras aber nur Produkte, nicht jedoch die Gesichter der Kunden erfasst. Somit ist ein Einkauf ungeschminkt und mit Lockenwicklern nach wie vor möglich! Mitarbeiter gibt es lediglich an der Frische-Theke oder bei alkoholischen Getränken. Beim Verlassen des Shops muss man sich nur noch per App „verabschieden“ und die eingepackten Waren werden automatisch über das eigene Amazon-Kundenkonto abgerechnet.

Eine spannende Idee, die sicher noch viel Potenzial hat. Wann der kassafreie Einkauf zu uns herüberschwappt, steht noch nicht fest. Dann allerdings kann ein solches Shopping-Erlebnis ganz schön verhängnisvoll sein, wenn man sich selbst nicht im Griff hat: Man achtet nicht mehr unbedingt auf den Preis, kauft vielleicht viel mehr ein, als man eigentlich gewollt hat und gibt Sachen von sich preis, die man nicht einmal seinem Friseur anvertraut. Aber das ist ja durchaus im Sinne von Amazon.

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