Ölpreis – alles dreht sich um das schwarze Gold

Fallender Ölpreis, steigende Spritpreise, Proteste in Frankreich – das schwarze Gold sorgt für Turbolenzen an den Märkten.

Anfang Oktober erklomm die Nordseeölsorte Brent ihren diesjährigen Höchststand bei rund 86 US-Dollar. Seitdem kennt der Ölpreis nur eine Richtung – nach unten. Aktuell notiert Brent rund 25 % tiefer. Begründungen für den Preisverfall gibt es mehrere.

Angebot größer als die Nachfrage

Aktuell herrscht an den Weltmärkten ein Überangebot des schwarzen Goldes. Vor allem in den USA liegt die Förderquote so hoch wie nie zuvor, was zu steigenden Lagerbeständen führt. Selbst die US-Sanktionen gegen den Iran – den weltweit viertgrößten Ölproduzenten – führen zu keiner Wende. Grund hierfür sind zahlreiche Ausnahmeregelungen, die den Ölimport aus dem Iran in andere Staaten erlauben. Ebenfalls belastend für den Ölpreis war die Aussage des US-Präsidenten trotz der internationalen Proteste im Falle Khashoggi weiterhin zu Saudi-Arabien zu stehen. Ein Bruch mit dem größten Ölproduzenten der Welt hätte vermutlich zu einem drastischen Preisanstieg geführt. Zu all dem kommt die Sorge vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft mit einer einhergehend rückläufigen Nachfrage nach Öl.

Um mittelfristig wieder höhere Preise zu erzielen, müsste die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bei ihrem nächsten Treffen am 6. Dezember in Wien Kürzungen der Fördermengen beschließen. Experten haben errechnet, dass rund 1,2 Mio. Barrel pro Tag weniger gefördert werden müssten, um den Ölmarkt auszugleichen. Täglich werden weltweit rund 93 Mio. Barrel Erdöl gefördert.

Steigende Spritpreise trotz billigem Öl

Die aktuelle Schwäche des Ölpreises mag so manchen Autofahrer verwundern. Denn von fallenden Preisen ist an den Tankstellen aktuell nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Preise für Benzin und Diesel waren in der jüngeren Vergangenheit die Preistreiber Nummer eins in Österreich. Monat für Monat kletterten die Preise im Jahresabstand praktisch um zweistellige Prozentsätze nach oben. Die Mineralölkonzerne geben die Schuld an dieser Entwicklung dem Wetter. Aufgrund des extrem trockenen Sommers und Herbstes sind die Wasserstände vieler (vor allem deutscher) Flüsse deutlich gesunken. Dies führt dazu, dass Tanker gar nicht mehr oder nur mit weniger Ladung fahren können. Ein großer Teil des Sprits muss daher mit Tanklastern transportiert werden, was zu höheren Kosten führt. Ob dies allerdings die Preisanstiege an den Zapfsäulen rechtfertigt, ist umstritten. So sieht beispielsweise der österreichische Verkehrsclub ÖAMTC den Preissprung der letzten Wochen als deutlich übertrieben an.

Frankreich protestiert gegen hohe Spritsteuer

Bekanntlich macht einen großen Anteil am Benzin- und Dieselpreis die Steuer aus. Neben der Mehrwertsteuer müssen Autofahrer auch Mineralölsteuer bezahlen. In Österreich beträgt diese für den Liter Diesel 39,7 Cent und für den Liter Benzin 48,2 Cent. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten ist die Mineralölsteuer in Österreich relativ gering und Sprit dementsprechend günstig.

Ganz anders sieht dagegen die Lage in Frankreich aus. Der Anteil der Mineralölsteuer beträgt dort fast 70 % und zum 1. Januar 2019 soll die Steuer weiter erhöht werden. Inzwischen kostet der Liter Benzin fast 2 Euro. Bereits 2017 hat die Regierung unter Präsident Macron beschlossen, die Steuer für Dieselkraftstoff bis zum Jahr 2022 um jährlich 2,6 Cent an die für Benzin erhobene Steuer anzugleichen. Offiziell wird diese Maßnahme mit ökologischen Gründen gerechtfertigt. Die Opposition wirft der Regierung dagegen vor, damit den Staatshaushalt sanieren zu wollen – Mehreinnahmen von bis zu 15 Mrd. Euro pro Jahr soll die Steuererhöhung angeblich bringen. Alles andere als erfreut ist die französische Bevölkerung, was sich in heftigen Protesten zeigt.

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