Michael Busch’s Börsen-News: Gold – die Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen

Das erste halbe Jahr ist um. Für Anleger waren dies sicherlich keine einfachen sechs Monate – Konjunktursorgen um China, Spekulationen um Zinserhöhungen in den USA, Angst vor einer neuen Bankenkrise in Europa und zu guter Letzt natürlich das überraschende Brexit-Votum. Alles in allem Ereignisse, die für heftige Kursauschläge an den Börsen sorgten und das Jahr bis dato extrem volatil gestalteten. Eine Anlageklasse sticht jedoch positiv heraus: Gold. Nach einer enttäuschenden Kursentwicklung in den letzten Jahren konnte das gelbe Metall in jüngster Zeit wieder glänzen.

Gründe für den Goldpreisanstieg

Eine der Haupttriebfedern für den Kursanstieg der letzten Monate ist sicherlich die globale Unsicherheit. Selten waren die Sorgen vor einer globalen Konjunkturabkühlung so groß wie in diesem Jahr. Dies bewog viele Anleger und Investoren dazu, ihr Geld aus den Aktienmärkten abzuziehen und in vermeintlich sichereren Anlageklassen wie beispielsweise Staatsanleihen oder auch Gold zu parken. Die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, sorgte in den letzten Wochen noch einmal für einen extra Schub. Denn bis heute weiß niemand genau, wie ein Austritt vonstatten geht und welche wirtschaftlichen Folgen er für die EU und Großbritannien hat. Ein weiterer Punkt, der den Goldpreis hoch hält, ist das aktuelle Zinsniveau. Aufgrund der Geldpolitik der führenden Notenbanken sind die Zinsen so niedrig wie noch nie zuvor – zum ersten Mal rentiert sogar eine zehnjährige deutsche Bundesanleihe im negativen Bereich. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass die Opportunitätskosten für Gold sehr gering sind. Da Gold bekanntlich keine Zinsen abwirft, haben viele Anleger in der Vergangenheit das Edelmetall gemieden. Doch im derzeitigen Marktumfeld mit Zinsen nahe Null zählt dieses Argument nicht mehr und Gold gewinnt an Attraktivität.
Schwacher Dollar begünstigt Goldpreis

Ebenfalls positiv auf den Goldpreis wirkt sich der in diesem Jahr schwächelnde US-Dollar aus. Nach der extremen Wertsteigerung im Jahr 2014 gegenüber dem Euro bewegt sich der US-Dollar seit geraumer Zeit seitwärts bzw. hat in diesem Jahr sogar leicht an Wert verloren. Ein Grund hierfür ist auch in der Geldpolitik zu suchen. Nachdem viele Marktteilnehmer Anfang des Jahres noch auf mehrere Zinserhöhungen seitens der US-amerikanischen Notenbank Fed spekuliert haben, kristallisiert sich nun immer mehr heraus, dass die Zinswende in den USA doch deutlich langsamer und zurückhaltender ablaufen wird als erwartet. Dies hat zur Folge, dass die Attraktivität des US-Dollars abnimmt und er gegenüber anderen Währungen an Wert verliert. Da die meisten Rohstoffe, unter anderem auch Gold, in US-Dollar gepreist sind, hat dies auch teilweise Auswirkungen auf deren Preise.

Geht die Rally weiter?

Mit einem Anstieg von über 20% in diesem Jahr ist Gold schon sehr gut gelaufen und einige Anleger spielen vermutlich mit dem Gedanken, Gewinne mitzunehmen. Dies hätte rückgehende Notierungen zur Folge. Nichtsdestotrotz dürften die zuvor genannten Argumente auch in der zweiten Jahreshälfte bestehen. Mit der anstehenden US-Wahl sowie den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen könnten die Unsicherheiten sogar noch weiter zunehmen. Zudem ist auch in der Geldpolitik keine gravierende Änderung zu erwarten. Eher ist damit zu rechnen, dass die europäische Zentralbank EZB und auch die Bank of Japan die Geldschleusen sogar noch weiter öffnen werden. Die goldenen Zeiten könnten also noch ein wenig andauern.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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