Marktplatz für Wertpapiere – die Entstehung der Börsen

Die Wurzeln der Börsen, wie wir sie heute kennen, reichen weit zurück. Die Grundlagen wurden bereits im späten Mittelalter in den norditalienischen Städten gelegt. Dort trafen sich einst Kaufleute, Händler und Geldwechsler auf öffentlichen Plätzen und legten den Preis ihrer Waren fest. Wie heute richtete sich auch damals der Preis nach Angebot und Nachfrage.

Handel im Gasthaus

Im 14. Jahrhundert waren der Mittelmeerraum und das Gebiet um die Ostsee mit der deutschen Hanse zwei der bedeutendsten Handelsimperien. Im Schnittpunkt dieser beiden Gebiete lag Brügge, und so war es nicht verwunderlich, dass sich dort zahlreiche Kaufleute trafen und ein reger Handel entstand. Da die meisten Kaufleute Ausländer waren, spielten die Gasthäuser und Gastwirte eine wichtige Rolle. Neben der Bewirtung übernahmen sie auch häufig die Maklerfunktion.

Das erste erwähnte feste Gebäude für den Börsenhandel ist das Gasthaus „Ter Buerse“, das über fünf Generationen im Besitz der Familie Van der Buerse war. Zweifellos ist auf diesen Namen auch der Begriff „Börse“ zurückzuführen

Von Fuggern und Habsburgern

Die erste Börse im deutschsprachigen Raum entstand 1540 in Nürnberg. Dort wurden hauptsächlich Wechsel und andere Zahlungsinstrumente gehandelt. Nur wenig später eröffneten auch Börsen in Lyon sowie in der Fuggerstadt Augsburg. Erst 30 Jahre später, im Jahr 1571, entstand die berühmte Londoner Royal Exchange. Allerdings war zur damaligen Zeit Amsterdam als Handelsplatz um einiges bedeutender.

Genau 200 Jahre später, im Jahr 1771, wurde die Wiener Börse von Maria Theresia gegründet. Schnell entwickelte sich die Börse zum zentralen Kapitalmarkt der k. u. k. Monarchie. Dank der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Habsburger gewann sie schnell internationales Ansehen. Anfangs beschränkte sich der Handel auf Anleihen, Wechsel und Devisen. Erst im Jahr 1818 ging mit der Österreichischen Nationalbank die erste Aktiengesellschaft an die Wiener Börse.

Von Europa in die Welt

Die Börsen, die heute am bedeutendsten sind, betraten teils viel später die Bühne. So eröffnete beispielsweise 1792 – als es in Europa beinahe in jedem Land mindestens eine Börse gab – die weltberühmte New Yorker Stock Exchange. Noch deutlich jünger ist die Tokioter Börse, welche erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Einen wahren Quantensprung gab es dann 1971 mit dem Start der NASDAQ, des ersten voll automatisierten Computerhandelsplatzes der Welt. Dies leitete das Ende des lauten Parketthandels ein und legte den Grundstein für den heutigen Wertpapierhandel, der inzwischen größtenteils über elektronische Handelsplätze abgewickelt wird.

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