Know-how: Ziel definieren und Strategie festlegen

Wer Geld anlegt, muss sich zunächst Gedanken darüber machen, was er mit der Anlage erreichen will. Das Ziel sollte möglichst konkret definiert werden, denn anschließend gilt es, die Anlagestrategie auf dieses Ziel abzustimmen. Darüber hinaus hat man mit festgelegten Zielvorgaben immer eine objektive Bezugsgröße an der Hand, deren Erreichen und Einhaltung sich regelmäßig überprüfen lassen.

Realistische Ziele setzen

Wie viel Geld will bzw. kann ich anlegen? Diese Frage bildet den Ausgangpunkt. Grundsätzlich sollte für die Geldanlage nur der Teil des vorhandenen Vermögens verwendet werden, der auf Sicht von fünf Jahren nicht für anderweitige Zwecke wie z. B. größere Anschaffungen benötigt wird.

Nachdem die Höhe des Anlagekapitals ermittelt wurde, gilt es, sich ein Ziel zu setzen, welche Rendite mit der Anlage dieses Geldes erzielt werden soll. Hierbei sollte man realistisch bleiben und sich vergegenwärtigen, dass Rendite und Risiko an den Finanzmärkten immer Hand in Hand gehen. Als Anhaltspunkte können aktuelle Angebote im Bereich risikoarmer Anlageformen (Tagesgeld, Bundesanleihen, Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität) sowie durchschnittliche Wertentwicklungen bestimmter Anlageklassen wie z. B. Aktien dienen, auch wenn historische Entwicklungen keinen zuverlässigen Indikator für künftige Entwicklungen darstellen. Wer beispielsweise eine Rendite von 5,7 % p.  a. anstrebt, die der durchschnittlichen jährlichen Rendite des DAX während der vergangenen zehn Jahre entspricht, muss dafür auch bereit sein, das Risiko von größeren Kursschwankungen und fallenden Kursnotierungen zu tragen.

Eine denkbare Zielvorgabe in Bezug auf die Risikobereitschaft kann in diesem Zusammenhang beispielsweise so lauten, nicht mehr als 10 % des Anlagekapitals zu riskieren. Diese Vorgabe sorgt dafür, dass das Kapital nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird, sollten sich die getroffenen Anlageentscheidungen im Nachhinein als unvorteilhaft erweisen. Zugleich bildet die Zielvorgabe für die Risikobereitschaft die Grundlage des Risiko- und Money-Managements.

Die persönlichen Präferenzen hinsichtlich der Risikobereitschaft und Renditeerwartung sind darüber hinaus ausschlaggebend dafür, welche Anlageklassen (z. B. verzinsliche Wertpapiere, Aktien, Rohstoffe) und welche Anlageprodukte (z. B. Unternehmensanleihen, Fonds, Aktien, Anlagezertifikate, Hebelprodukte) gewählt werden können. Detaillierte Informationen zu den Chancen und Risiken der verschiedenen Produkte finden sich unter anderem in den Anleihebedingungen oder den Produktinformationsblättern von Anlagezertifikaten.

Einfache Strategie entwickeln

Sind Renditeerwartung und Risikobereitschaft definiert, folgt die Frage, mit welcher Anlagestrategie das gesetzte Ziel erreicht werden kann. Hierfür stehen bereits unzählige Ansätze zur Verfügung, angefangen von Trendfolgestrategien, mit denen an bestehenden Trends partizipiert werden soll, über Value-Strategien, bei denen nach Unternehmen Ausschau gehalten wird, die unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden, bis hin zu antizyklischen Strategien, mit denen auf die erfolgreiche Trendwende eines Unternehmens gesetzt wird.

Natürlich kann jeder Anleger auch seine eigene Strategie entwerfen. Dafür müssen objektive Regeln für den Einstieg und für den Ausstieg formuliert werden. Klar definierte Regeln helfen dabei, sich diszipliniert an die Strategie zu halten und verringern die Gefahr vorschnell und emotional zu handeln. Für die Kriterien, die einer Strategie zugrunde liegen, kann auf die Instrumente der fundamentalen Analyse und/oder technischen Analyse zurückgegriffen werden. Dabei sollte man stets der Devise folgen: „Halte es einfach!“ Das bedeutet, eine Strategie zu entwickeln, die man auch versteht. Keine Strategie funktioniert zu jeder Zeit gleich gut. Daher ist es notwendig, die Strategie von Zeit zu Zeit auf mögliche Fehlerquellen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Und dies wird umso schwieriger, je umfangreicher und komplizierter eine Anlagestrategie aufgebaut ist.

Gerade die technische Analyse bietet angefangen von der klassischen Charttechnik mit Unterstützungen/Widerständen und Chartformationen, über zahlreiche Indikatoren und Oszillatoren bis hin zu Fibonacci-Retracements oder der Elliott-Wellen-Theorie ein schier unbegrenztes Instrumentarium für die Entwicklung von Anlagestrategien. Eine trendfolgende Strategie lässt sich mithilfe der technischen Analyse beispielsweise derart umsetzen, dass zunächst der übergeordnete Trend identifiziert wird. Anschließend wird für den Einstieg, z. B. in einen übergeordneten Aufwärtstrend, gewartet, bis sich die Kursnotierung in der Nähe einer Unterstützung befindet. Ein anderes denkbares Einstiegssignal wäre der bullische Ausbruch aus einer Trendfortsetzungsformation. Wer eine antizyklische Strategie verfolgen möchte, kann wiederum nach Trendwendeformationen Ausschau halten, die sich im Chart eines Wertpapiers abzeichnen.

Ebenso kann die fundamentale Analyse für die Entwicklung einer Strategie herangezogen werden und die Unter- bzw. Überbewertung eines Unternehmens den Ausschlag für den Kauf bzw. Verkauf von dessen Aktien geben. Eine Möglichkeit ist beispielsweise die Suche nach Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Umsatz und Gewinn kontinuierlich gesteigert haben. Weisen diese Unternehmen gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder dem Buchwert gegenüber ihren Wettbewerbern eine angemessene Bewertung auf, kommen sie für ein Investment infrage. Um sich einem Urteil über die Bewertung eines Unternehmens bilden zu können, sollten allerdings immer mehrere Kennzahlen zurate gezogen werden, da jede für sich genommen sowohl Stärken als auch Schwächen hat und damit kein umfassenden Bild über die Bewertung eines Unternehmens geben kann.

Natürlich lassen sich technische Analyse und fundamentale Analyse auch miteinander kombinieren. Weist z. B. ein Unternehmen eine attraktive Bewertung auf, kann mithilfe der Signale der technischen Analyse nach einem geeigneten Einstiegszeitpunkt gesucht werden.

 

Alle Angaben dieser Wissensreihe dienen nur der Unterstützung Ihrer selbstständigen Anlageentscheidung und stellen keine Empfehlung der Hello bank! dar. Dargestellte Produktinformationen und Wertpapiere bzw. Anlageinstrumente erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Hello bank! weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass jede Art einer Vermögensanlage und/oder die Investition von Kapital mit Risiken verbunden ist.

Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgende HTML-Tags und Attribute können Sie verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren   Akzeptieren