Jerome Powell – was ist vom künftigen US-Notenbankchef zu erwarten?

Dass Janet Yellens Amtszeit als Vorsitzende der US-Notenbank im Februar 2018 ablaufen würde, war ein offenes Geheimnis. Wer allerdings ihr Nachfolger wird, war lange Zeit ungewiss. Anfang November gab US-Präsident Donald Trump bekannt, wer in Zukunft die wichtigste Notenbank der Welt leitet: der neue Chef der Federal Reserve heißt Jerome Powell.
Jurist mit Finanz-Background

Diese Entscheidung mag so manchen überrascht haben, denn der 64-Jährige ist im Gegensatz zu fast all seinen Vorgängern kein Ökonom, sondern ein Jurist. Ein unbeschriebenes Blatt ist er deswegen allerdings noch lange nicht – Powell gehört seit 2012 dem Gremium der Fed-Gouverneure an. Davor war der Republikaner Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group, sowie unter dem früheren Präsidenten George W. Bush als Experte im US-Finanzministerium tätig. Zudem verfügt er über ein beeindruckendes Privatvermögen – je nach Quelle schwanken die Schätzungen zwischen 55 Millionen und 112 Millionen US-Dollar. An Erfahrung mit der US-Geldpolitik sowie dem Politikgeschäft Washingtons sollte es Powell somit nicht mangeln.

Falke oder Taube?

Für Anleger und Investoren war die Benennung des zukünftigen Fed-Vorsitzenden von großer Bedeutung. Sowohl Yellen und Powell gelten als so genannte Tauben und sind somit Vertreter einer weichen Geldpolitik. Das Gegenteil wäre der Falke – ein Notenbanker, der eine möglichst restriktive Geldpolitik mit stark steigenden Zinsen verfolgt. Vor allem die Finanzmärkte reagieren extrem sensibel auf die geldpolitischen Maßnahmen und Ankündigungen der US-Notenbank. Unter Jerome Powell gilt es als ziemlich sicher, dass der aktuell eingeschlagene Kurs fortgesetzt wird. Das heißt, die Zinsen steigen nur moderat an. Das könnten gute Bedingungen für ein weiteres Ansteigen der Aktienmärkte sein.
Moderate Zinspolitik

Die richtige Balance zu finden, dürfte Powell allerdings nicht ganz leicht fallen. Auf der einen Seite ist die Arbeitslosigkeit in den USA rekordverdächtig niedrig; auf der anderen Seite steigen weder die Löhne noch die Preise nennenswert an. Zudem warnen immer mehr Experten vor einer Überhitzung der Finanzmärkte. Powell muss somit die Zinsen weiter anheben, allerdings nicht zu stark, um nicht die Wirtschaft, welche von der lockeren Geldpolitik profitiert, abzuwürgen. In Zugzwang könnte die Fed im Falle eines Crashs oder einer Krise kommen. In der Vergangenheit senkten die Notenbanker in solch einer Situation die Zinsen um durchschnittlich 500 Basispunkte. Auch wenn Yellen bzw. ab Februar Powell noch die ein oder andere Zinserhöhungen umsetzen können, dürfte in einer Krise kaum ausreichend Munition zur Bekämpfung selbiger vorhanden sein.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen.

 

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