Japan rutscht erneut in die Rezession – sind die Abenomics gescheitert?

Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist wieder einmal in die Rezession gerutscht. Im dritten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukts um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal – dies war der zweite Rückgang in Folge. Dies ist nicht nur ein herber Rückschlag für die Wirtschaft, sondern auch eine Niederlage für Ministerpräsident Shinzo Abe. Sind die nach ihm benannten Maßnahmen – Abenomics – gescheitert?

Mit großen Plänen startete Abe im September 2012 in seine zweite Amtszeit als Premierminister. Er wollte nichts Geringeres als die fast zwei Jahrzehnte andauernde Wachstumsschwäche und Deflation beenden. Um dieses Ziel zu erreichen, startete die Regierung im Januar 2013 ein noch nie dagewesenes Konjunkturprogramm. Die Abenomics bestehen aus drei Säulen bzw. setzen sich aus drei Pfeilen zusammen. Der erste Pfeil verfolgt eine extrem expansive Geldpolitik. Ähnlich wie die US-amerikanischen und europäischen Kollegen setzt die Bank of Japan (BoJ) auf ein Staatsanleihenkaufprogramm, allerdings im deutlich größeren Stil als die beiden anderen Notenbanken. Der zweite Pfeil ist ein kreditfinanziertes Konjunkturprogramm. Ziel der Regierung ist es, das richtige Gleichgewicht zu schaffen zwischen Förderung des Wachstums einerseits und Reduzierung der Staatsverschuldung auf ein nachhaltiges Niveau andererseits. Der dritte und letzte Pfeil baut auf weitreichende Strukturreformen. Die Maßnahmen umfassen unter anderem Arbeitsmarkt, Energiepolitik, Gesundheitswesen und Landwirtschaft. Zudem soll der Finanzsektor bzw. dessen Produkte dereguliert werden.

Bis dato hält sich der Erfolg der Abenomics in Grenzen. Seit dem Antritt Abes ist Japan schon zum zweiten Mal in eine Rezession gefallen. Zudem befindet sich auch die Inflation noch weit entfernt vom vorgegebenen 2-%-Ziel. Eine höhere Inflation ist allerdings nötig, um das BIP-Wachstum anzukurbeln und um die Staatsverschuldung zu reduzieren. Deutliche Auswirkungen hatten die Abenomics und insbesondere die lockere Geldpolitik auf den Yen-Kurs. So verlor die japanische Währung gegenüber dem US-Dollar innerhalb von drei Jahren rund 40 %. Auf der einen Seite ist dies sehr positiv für exportorientierte Unternehmen, da deren Waren im Ausland günstiger werden. Auf der anderen Seite haben sich die Importe massiv verteuert.

Aber auch an den Börsen sind die Abenomics nicht spurlos vorübergegangenen. Im selben Zeitraum hat sich beispielsweise der japanische Leitindex Nikkei 225 mehr als verdoppelt. Die Gründe für die aktuell schrumpfende Wirtschaft sind fehlende Investitionen von Unternehmen, ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft sowie eine schwache Entwicklung des privaten Konsums. Auch wenn man sich sicherlich mehr erhofft hat, noch ist es zu früh, um von einem Scheitern der Abenomics zu sprechen. Der Weg zu einem nachhaltigen Wachstum und einer höheren Inflation ist allerdings noch weit. Seitens der Regierung müssen nun weitere Reformen, vor allem im Arbeitsmarkt, umgesetzt werden. In der Zwischenzeit wird der BoJ nichts anderes übrig bleiben als die expansive Geldpolitik fortzusetzen und gegebenenfalls sogar auszuweiten.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

 

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