Jahresendrally – was ist dran an dem Mythos

So ziemlich jeder Anleger hat wahrscheinlich schon einmal etwas von der berühmten Jahresendrally gehört. Angeblich steigen die Aktienmärkte in den letzten Wochen des Jahres überdurchschnittlich oft und stark. Zu schön um wahr zu sein oder ist an diesem Mythos wirklich etwas dran?

Historisch betrachtet sind der November und der Dezember zwei der stärksten Börsenmonate des Jahres – zumindest im DAX. Laut einer Berechnung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) konnten der DAX sowie ein vor 1988 zurückgerechneter Index zwischen 1948 und 2014 im November durchschnittlich um 1,6 % zulegen und im Dezember sogar um 2,4 %. Ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland zu beobachten ist: Auch bei anderen Indizes, wie beispielsweise dem S&P 500, erzielen die letzten Wochen des Jahres statistisch gesehen meist positive Ergebnisse.

Viele Erklärungsversuche werden zur Begründung der Jahresendrally herangezogen. Der am häufigsten genannte Grund dürfte das so genannte „Window Dressing“ sein. Hier werfen institutionelle Investoren noch vor Jahresende ihre schlechten Aktien aus den Depots und kaufen Titel zu, die gut gelaufen sind. Damit versuchen die Portfoliomanager, die Jahresberichte zu schönen und ihren Kunden zu zeigen, dass sie auf die richtigen Papiere gesetzt haben – die Performance steht dabei im Hintergrund. Andere plausible Erklärungsversuche sind, dass im Dezember verstärkt Zinserträge aus festverzinslichen Anlagen angelegt werden sowie, dass sich professionelle Anleger aufgrund neuer Einzahlungen bzw. frischen Risikokapitals zum Jahresanfang schon frühzeitig in Aktien positionieren wollen. Zudem realisieren viele Anleger Ende des Jahres Verluste, um sie steuerlich geltend machen zu können. Das freigewordene Geld wird im Anschluss wieder investiert. Obwohl viele Aktienindizes in der Vergangenheit im Dezember überproportional oft Kurszuwächse verzeichneten, sollten sich Anleger nicht blind auf das Phänomen Jahresendrally verlassen. Denn auch so mancher Dezember endete in mit tiefroten Vorzeichen.

Dieses Jahr könnte einer dieser statistischen Ausreißer sein. Nach einem positiven November verläuft der Dezember bis dato alles andere als erhofft. Nach der für viele Marktteilnehmer enttäuschenden letzten Notenbanksitzung der Europäischen Zentralbank gingen zahlreiche europäische Indizes auf Tauchfahrt. Doch es besteht noch Hoffnung. Denn die Zinsentscheidung der US-amerikanischen Notenbank könnte den Ausblick positiv stimmen und die Börsen möglicherweise noch einmal nach oben drehen und für einen erfreulichen Jahresausklang sorgen.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

 

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