Jänner gut! Alles gut?

„As goes January so goes the year“ ­– wie der Jänner verläuft so läuft auch das Jahr. Bei einem positiven Start ins Jahr hoffen viele Anleger auf den so genannten Jänner-Effekt. Genau gesagt heißt das: Läuft der erste Monat gut, dann wird auch der Rest des Jahres ein Erfolg. Doch ist an dieser Börsenweisheit wirklich etwas dran?

Wie jede andere saisonale Marktanomalie lässt sich auch der Jänner-Effekt anhand historischer Daten ziemlich einfach überprüfen. Betrachtet man beispielsweise die Entwicklung des Deutschen Aktienindex DAX seit 1998 hatte der Kursverlauf der ersten vier Wochen wenig Aussagekraft für die nächsten elf Monate. Zwar lag die Trefferquote bei rund 60 %, doch für eine erfolgreiche Handelsstrategie ist dies in der Regel zu wenig, da die Verluste bei den restlichen 40 % höher sein könnten als die Gewinne.

Bei einem Blick auf die ersten fünf Handelstage wird die Trefferquote allerdings schon besser. Zumindest beim DAX lag man mit dieser Vorgehensweise in der Vergangenheit bei fast 80 % der Fälle richtig. Entwickeln sich die ersten fünf Tage des Jahres also positiv, stehen die Zeichen gut für den Rest des Jahres. Anleger sollten trotz der hohen Trefferquote vorsichtig sein. Historische Wertentwicklungen sind kein Indikator für die zukünftige Entwicklung von Aktien oder Indizes. So bildeten beispielsweise gerade die beiden letzten Jahre eine Ausnahme des Jänner-Effektes. 2014 und auch 2015 startete der deutsche Leitindex negativ ins Jahr und erzielte am Ende doch noch ein positives Ergebnis.

Verschiedene Gründe werden zur Erklärung des Jänner-Effekts herbeigezogen, allen voran die so genannte „Tax-Loss-Selling-Hypothese“. Der Jänner-Effekt beruht danach auf steuerbedingten Entscheidungen. Viele Privatanleger verkaufen Ende des Jahres ihre Verlustpositionen, um sie mit den Gewinnen gegenrechnen zu können und die Steuerbelastung zu minimieren. Anfang des neuen Jahres werden diese freien Gelder teilweise wieder investiert, was zu steigenden Kursen führen kann. Gerne werden auch erst kürzlich erhaltene Weihnachtsgelder bzw. Bonuszahlungen in Aktien gesteckt.

Eine andere Erklärung beruht auf dem Handeln der Fondsmanager. Ähnlich wie die bereits erwähnten Privatanleger verkaufen auch Fondsmanager gerne in den letzten Wochen des alten Jahres ihre Verlustbringer, um zum Jahresabschluss ein „sauberes“ Depot präsentieren zu können. Im Jänner werden dann diese oder andere Titel wieder zurückgekauft. Zudem sitzt bei vielen institutionellen Investoren zu Beginn des Jahres das Geld lockerer und Anlageentscheidungen können aufgrund eines neuen Risikobudgets leichter getroffen und umgesetzt werden.

Die oben genannten Punkte sind allerdings nur eine Erklärung, warum zu Beginn des Jahres die Kurse steigen könnten. Für den Verlauf der nächsten elf Monate sind meist andere Faktoren ausschlaggebend. Im Jänner werden häufig wichtige politische und auch wirtschaftliche Weichen für den Rest des Jahres gestellt. In den USA sind dies beispielsweise das Zusammentreffen des neuen Kongresses oder die Amtseinführung des neuen Präsidenten. Zudem werden häufig in den ersten Wochen die Jahreshaushalte und andere wichtige Entscheidungen bekanntgegeben.

Doch auch die so genannte „Self-fulfilling prophecy“ – die selbsterfüllende Prophezeiung – ist für den Jänner-Effekt mitverantwortlich. Das heißt, wenn nur genug Menschen an eine Marktanomalie glauben, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen. Ein positiver Jänner motiviert demnach zu weiteren Investitionen, während ein negativer Start ins Jahr eher abschreckt.

 

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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