Hüfner’s Marktkommentar: Drei Gründe, auch jetzt noch Aktien zu kaufen

  • Es gibt am Aktienmarkt nicht das zyklische Auf und Ab wie an anderen Märkten. Rallys können zehn und mehr Jahre dauern.
  • Wenn die ultralockere Geldpolitik zurückgeführt wird, ist der Aktienaufschwung noch nicht zu Ende. Die Unsicherheiten nehmen aber zu.
  • Das größte Risiko: Dass es unerwartet doch zu Inflation kommt und die Zinsen den Zentralbanken aus den Händen gleiten.

Soll man jetzt noch Aktien kaufen, wo die Rally schon über acht Jahre dauert und die Kurse und Bewertungen bereits sehr hoch sind? Ist es nicht an der Zeit, jetzt erst einmal Kasse zu machen und auf bessere Zeiten zu warten?

Aus kurzfristiger Sicht mag das richtig sein. Andererseits treffen die wenigsten immer den richtigen Punkt zum Kaufen und zum Verkaufen. Ich verlasse mich lieber auf die langfristigen, fundamentalen Faktoren. Die aber sind nach wie vor gut. Hier drei Gründe, weshalb Aktien aus dieser Sicht immer noch eine gute Anlage sind.

Erstens muss die Hausse auch nach acht Jahren nicht vorbei sein. Anders als viele denken, gibt es am Aktienmarkt nicht das übliche zyklische Auf und Ab. Aufwärtsbewegungen können sehr viel länger dauern. Es gab schon Rallys über zehn und mehr Jahre. In den siebzig Jahren nach dem zweiten Weltkrieg sind die Aktien nur vier Mal kräftiger eingebrochen: bei der Ölkrise 1973, am Schwarzen Oktober 1987, bei der New Economy Bubble 2000 und in der Subprime-Krise 2007/08. Rein rechnerisch bedeutet das alle 17 Jahre eine Krise. Bei all diesen Krisen handelt es sich freilich nicht um zyklische Abwärtsbewegungen, sondern fundamentale Ungleichgewichte, die korrigiert werden mussten. Danach sieht es heute nicht aus.

Was eher wahrscheinlich ist, sind kurzfristige Ermüdungserscheinungen. Die hat es auch in der Rally der letzten acht Jahren gegeben. Das waren die Unterbrechung im August 2011 und die Abschwächung 2015/16. Das war für Anleger schmerzhaft. Es brachte Kursverluste von 20% und mehr. Es wurde allerdings immer relativ schnell wieder ausgebügelt. So etwas kann auch jetzt wieder passieren. Aktienanleger müssen so etwas aushalten können. Es ist der Preis für höhere Renditen.

Zweitens ist die Konjunktur stabil. Sie hat zuletzt gerade wieder angezogen. Das führt dazu, dass die Gewinne der Unternehmen steigen und die Kurse anziehen. Die Korrelation zwischen dem DAX und dem ifo Geschäftsklimaindex ist hoch (0,72). Siehe Grafik. Dabei sollte man sich nicht von kurzfristigen monatlichen Schwankungen des Geschäftsklimas (wie Anfang der Woche wieder bekannt gegeben) irritieren lassen.

So wie es derzeit aussieht, wird sich an der Konjunktur auf absehbare Zeit nichts ändern. Der Konsum läuft gut. Er wird in den nächsten Jahren in Deutschland und vielleicht auch den USA durch Steuersenkungen gestärkt. Die Investitionen sind gerade angesprungen. Hier ist noch viel Nachholbedarf, um die Versäumnisse in den letzten Jahren aufzuholen und den technischen Fortschritt umzusetzen. Schließlich entwickelt sich auch der Welthandel besser.

Dritter Grund für weiter gute Aktienkurse: die niedrigen Zinsen. Sie helfen auf zweierlei Weise. Auf der einen Seite gibt es unter diesen Umständen für den Anleger keine rentablen Alternativen, um sein Geld zu investieren. Er „muss“ sozusagen in Aktien gehen. Das hilft den Kursen. Auf der anderen Seite muss man bei solchen Zinsen keine so große Angst vor Überbewertungen der Kurse haben. Die Überbewertungen in anderen Assetklassen, vor allem in Bonds (aber auch in Immobilien) sind viel größer.

Natürlich bedeutet die Rückführung der ultralockeren Geldpolitik eine Belastung. Es dauert zwar noch, bis die Zinsen steigen. Aber die Aktienmärkte fuhren bisher sozusagen auf zwei Zylindern, der Konjunktur und der Geldpolitik. In Zukunft fällt ein Zylinder weg. Das bedeutet nicht das Ende der Rally. Es macht die Entwicklung aber schwankungs-anfälliger. Man muss sich die Konjunktur noch genauer anschauen, um rechtzeitig Schwachpunkte zu erkennen.

Also alles in Butter? Das ist es nie. Risiken gibt es immer. Ich sehe drei Bereiche, von denen Gefahren drohen könnten. Das wichtigste ist die weltweite Rückführung der Geldpolitik zu wieder normaleren Verhältnissen. Die Zentralbanken gehen dabei sehr vorsichtig vor, weil sie wissen, dass hier Gefahren drohen. Das hilft. Aber wenn die Inflation plötzlich anspringen sollte (wofür es derzeit keine Anhaltspunkte gibt, was aber passieren kann), dann könnte die Entwicklung den Zentralbanken aus den Händen gleiten. Die Zinsen könnten stärker steigen. Das wäre bei der hohen Verschuldung der Staaten und der Unternehmen ein Riesenproblem und würde auch die Aktien in die Knie zwingen.

Weniger beachtet werden die Ungleichgewichte bei den Wechselkursen. Aber auch hier gibt es Brisanz. Der US-Dollar ist nach wie vor überbewertet und muss langfristig schwächer werden. Wenn das – wie derzeit – in geordneten Bahnen verläuft, ist das kein Problem. Die Zentralbanken werden alles tun, dass es so bleibt. Aber wehe, wenn die Entwicklung außer Kontrolle gerät. Das war vor dreißig Jahren einer der Gründe für den Einbruch im Oktober 1987.

Die dritte Unsicherheit sind die politischen Risiken rund um die Welt. Natürlich hat es sie schon immer gegeben. Das besondere derzeit ist aber die Ausbreitung nationalistischer und populistischer Strömungen in einzelnen Ländern. Sie macht es schwer, die Lage einzuschätzen und kann zu Kurzschlussreaktionen führen.

Für den Anleger: Wenn Sie Langfristinvestor sind und temporäre „draw-downs“ (Rückschläge) aushalten können, können Sie in Aktien investiert bleiben. Ihr Durchhaltevermögen könnte allerdings empfindlich getestet werden. Ein vorübergehender Rückgang der Kurse um 20% (auf ein DAX-Niveau von 10 000) ist denkbar Nach dem Muster der vergangenen Jahre ist damit aber erst 2018/19 zu rechnen. Fokussieren Sie sich auf konservativere Werte.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals

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