Generation Poser

Spätestens seit der Erfindung von Facebook und Co. können viele von uns den eigenen Narzissmus so richtig ausleben. Jeder übertrumpft den anderen mit atemberaubenden Urlaubsbildern, schrägen Erlebnissen, coolen Aktionen und Food-Bildern, die manchmal suggerieren, als ob man jeden Tag nichts anderes zu sich nimmt als Haubenküche.

Wäre es nur das – man könnte es aushalten. Viel mehr grassiert die Selfie-Mania. „Ich beim Bungee-Sprung“. „Ich vor der Oper in Sydney“ oder „Ich beim Pickel ausdrücken“ – Hauptsache das eigene Konterfei ist im Zentrum des Geschehens. Die besonders versierten Social-Media-Poser achten dabei peinlichst darauf, dass auch die beim Shooting getragenen Klamotten jedes Mal was Besonderes sind. Nur: Wer kann sich das schon leisten, bei jedem Foto ein anderes Outfit zu tragen?

Klamotten kaufen. Auf Zeit.

Kaum zu glauben. Aber eine Studie des britischen Kreditkarten-Anbieters Barclaycard hat jetzt etwas ganz Verrücktes ans Tageslicht gebracht: Neun Prozent aller Befragten gab an, dass sie Klamotten nur gekauft haben, um sich mit einem trendigen Outfit für ein Foto auf Instagram und Co. zu fotografieren. Ist der organisierte „Schnappschuss“ dann im Speicher, wandern die guten Stücke wieder in den Karton und zurück an den Absender. Und wer jetzt denkt, dass hier die Damen das Feld anführen, irrt. Die Quote lag bei Männern mit 12 Prozent deutlich höher als bei Frauen mit nur sieben Prozent.

Outfits als Image-Turbo.

Klar steckt hinter diesem System Berechnung. Denn Posts mit täglich neuer Kleidung sorgen für einen Image-Boost und damit für Likes und neue Follower. Im besten Fall sogar für so viele, dass man sich irgendwann „Influencer“ nennen kann und von Firmen mit stylischer Mode versorgt wird – natürlich umsonst. Bis es allerdings soweit ist, haben sich jetzt schon mehrere Unternehmen darauf spezialisiert, Trendmode zur Miete anzubieten. Passt doch wunderbar zu unserer Wegwerfgesellschaft. Ist aber deutlich nachhaltiger und garantiert dann ohne Umwege immer cool gestylt zu sein und das zu kleinem Geld. Und die deprimierende Feststellung „Ich hab ja nichts zum Anziehen“ gehört dann definitiv der Vergangenheit an. Zumindest bis zum nächsten Hype…

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