Geben die US-Arbeitsmarktdaten die Richtung vor?

Jeden ersten Freitag im Monat warten viele Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten. Die Daten bestehend aus Arbeitslosenquote, neu geschaffene Stellen und Veränderung der Stundenlöhne gehören zu den wichtigsten Konjunkturdaten überhaupt. Wichtiger als die absoluten Zahlen ist in der Regel die Entwicklung zu den vorhergehenden Monaten. Je nachdem wie stark die Veränderungen ausfallen, können Rückschlüsse auf die aktuelle Lage der US-Wirtschaft gezogen werden.

Unter besonderer Beobachtung dürfte die Veröffentlichung an diesem Freitag um 14:30 Uhr sein. Denn zahlreiche Börsianer erhoffen sich klarere Signale für oder gegen eine mögliche Zinswende in den USA. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) unterliegt die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) nämlich einem sogenannten Doppelmandat. Neben der Preisstabilität ist die Fed auch der Vollbeschäftigung verpflichtet. Daher wird neben der aktuellen Inflationsrate auch den Arbeitsmarktdaten besondere Beachtung geschenkt. So sprechen die US-Währungshüter bei einer Arbeitslosenquote zwischen 5,2 und 6,0 % von Vollbeschäftigung.

Die Arbeitslosenquote für den Monat Juli liegt bei 5,3 %. Für den August, dessen Zahlen am Freitag veröffentlicht werden, wird noch eine leichte Verbesserung auf 5,2 % erwartet. Ein ähnliches Bild liegt bei der Zahl der neu geschaffenen Stellen (ex Agrar) vor. Hier rechnen die Marktteilnehmer mit einem Anstieg von 215.000 auf 216.000 neue Jobs im vergangenen Monat.

Die Reaktion der Märkte lässt sich allerdings nicht so einfach prognostizieren – nicht selten kommt es im Anschluss der Bekanntgabe der Zahlen zu überraschenden und teilweise heftigen Kursbewegungen. So wurde beispielsweise eine Zeitlang eine Verschlechterung der Daten mit Kursanstiegen honoriert. Der Grund: Im Falle einer schlecht laufenden amerikanischen Wirtschaft erhofften sich das Gros der Börsianer eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik der Fed und eine Ausweitung der Liquidität. Inzwischen dürfte sich das Blatt allerdings gedreht haben. Da eine erste Zinserhöhung als ziemlich sicher gilt, wäre derzeit eine Verschlechterung der Arbeitsmarktdaten und somit auch eine Verschlechterung des Wirtschaftswachstums eine größere Belastung für die Aktienmärkte ­– weltweit.

Lediglich der Zeitpunkt und die Höhe der Zinserhöhung lässt noch Raum für Spekulationen offen. Allerdings ist aufgrund der jüngsten Turbulenzen an den Kapitalmärkten und den Wachstumssorgen in China ein erster Schritt im September unwahrscheinlicher geworden. Aktuell ist daher mit einer marginalen Erhöhung im Dezember zu rechnen. Doch vielleicht wissen wir Freitagnachmittag schon mehr.

Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgende HTML-Tags und Attribute können Sie verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren   Akzeptieren