Die Macht der Ratingagenturen

Ratingagenturen gehören zu den mächtigsten Akteuren an den internationalen Finanzmärkten. Mit ihren Urteilen können sie über das Schicksal von Unternehmen oder sogar Staaten entscheiden. Die Hauptaufgabe von Ratingagenturen ist es, die Finanzkraft und Kreditwürdigkeit von Unternehmen und staatlichen Stellen zu bewerten. Zudem geben sie Auskunft über die vermeintliche Sicherheit von Anlageprodukten. Der Kapitalmarkt kann auf diese Weise die finanzielle Stabilität des Schuldners, seine Fähigkeit, Zinszahlungen zu leisten, und die Risiken von Wertpapieren besser einschätzen.

Das buchstäbliche Risiko

Nicht nur die Entscheidungen von Investoren können durch ein Rating beeinflusst werden, auch für den Schuldner ist das Urteil richtungsweisend. Denn je schlechter die Bewertung ist, umso geringer ist die Kreditwürdigkeit bzw. die Bonität eines Unternehmens oder eines Staates. Das heißt, es müssen bei einer Kreditaufnahme höhere Zinszahlungen an die Gläubiger entrichtet werden. Um Anlegern relativ einfach einen Überblick zu verschaffen, verwenden die Agenturen eine sehr ähnliche Kennzeichnung ihrer Bewertungen. Hat beispielsweise der Schuldner eine sehr gute Bonität, erhält er das Rating AAA – oder auch Aaa. Dann ist das Ausfallrisiko des Kredits als vernachlässigbar einzustufen. Im weiteren Verlauf folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C und D. Eine feinere Abstufung wird noch mit Plus- und Minuszeichen erreicht. D ist das schlechteste Rating und steht für einen begrenzten oder gar vollständigen Zahlungsausfall.

Die großen Drei

Das heutige Konzept der Ratingagenturen existiert seit rund 100 Jahren. Damals wurden die drei Agenturen gegründet, welche auch heute noch die größten Akteure am Markt sind: Moody’s Investors Service, Standard and Poor’s (S&P) und die Fitch Group. Moody’s und S&P sind in den Vereinigten Staaten ansässig und dominieren rund 80 % des internationalen Marktes. Fitch hat seinen Sitz in den Vereinigten Staaten und London und kontrolliert etwa 15% des Weltmarktes.

Die enorme Marktmacht der großen Drei wird zunehmend kritisch gesehen. Des Weiteren werden ihnen häufig Interessenkonflikte vorgeworfen. Denn normalerweise werden die Agenturen von den Schuldnern beauftragt und bezahlt, deren Rating sie erstellen sollen. Im Rahmen der Finanzkrise sind die Ratingagenturen ebenfalls stark in die Kritik geraten. Ihnen wurde ein nicht unerheblicher Teil der Schuld für den heftigen Verlauf der Krise zugeschrieben. So sollen sie teils hochriskante Anlageprodukte als zu sicher eingestuft haben.

Für Anleger und Investoren können Ratingagenturen durchaus wichtige Hilfestellungen bei der Beurteilung eines Unternehmens oder Wertpapiers geben. Allerdings sollten sie sich stets bewusst sein, dass auch diese vor Fehleinschätzungen nicht gefeit sind.

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