Die Anziehungskraft der runden Zahlen

Eine Kursmarke wird – nimmt man die Finanzmärkte ins Visier – dabei immer wieder genannt: die 10.000 Punkte beim Deutschen Aktienindex DAX.

Runde Marken spielten an der Börse schon immer eine wichtige Rolle. Aber worin liegt der Reiz dieser Zahlen?

 

Lieber 10.000 statt 9.993

Die runden Marken sind einfach verlockend. Es liegt in der Natur des Menschen, Dinge zu vereinfachen, und 10.000 Punkte sind nun einmal markanter und einfacher zu merken als 9.993 oder 10.017. Genau betrachtet sollten die runden Marken allerdings ohne große Bedeutung sein. Beim DAX ist die 10.000-Punkte-

Marke nur relevant, da er für den 31. Dezember 1987 auf 1.000 normiert wurde und seitdem 900 Prozent gestiegen ist. Wäre der Deutsche Aktienindex zu einem anderen Termin gestartet worden, würden Anleger sich nun an vollkommen anderen Ständen orientieren.

Trotz allem kommt es an so markanten Marken immer wieder zu auffälligen Kursbewegungen. So benötigte der DAX beispielsweise in der Vergangenheit mehrere Anläufe, um die 7.000er-Marke zu durchbrechen, und auch die 8.000 Punkte wurden nicht sofort überschritten. Als diese Widerstände allerdings gebrochen waren, ging es rasch nach oben.

 

Der Ankereffekt

Dieses Phänomen, dass Anleger häufig wie gebannt auf bestimmte Kursmarken blicken, ist in der Verhaltensökonomik oder auch Behavioral Finance als der so genannte Ankereffekt bekannt. Anleger tendieren dazu, sich bei der Einordnung bzw. Bewertung von Börsenkursen an bestimmten Ursprungs- oder Richtwerten (Anker) zu orientieren, um daraus später Schlüsse ziehen zu können. So weckte beispielsweise die 8.000-Punkte-Marke bei vielen Börsianern unangenehme

Erinnerungen an die Jahre 2000 und 2007. Damals stürzten die Kurse von diesem Niveau aus deutlich ab. Erst als die 8.000 Punkte nachhaltig überschritten wurden, wich die Skepsis und der Anstieg setzte sich fort.

Anleger sollten runde Marken daher im Auge behalten, aber nicht überbewerten. Letztendlich sind andere Faktoren viel ausschlaggebender für die weitere Entwicklung der Kurse, wie beispielsweise die Geldpolitik der Notenbanken.

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