Der Kampf gegen das Handelsungleichgewicht

Jüngst sorgten von der US-Regierung verhängte Strafzölle für die Einfuhr von Stahl und Aluminium für Aufsehen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die heimische Industrie zu schützen und zu stärken sowie das Handelsungleichgewicht zwischen den USA und dem Rest der Welt zu verringern.

Handelsungleichgewichte werden durch die Handelsbilanz definiert. Hierbei werden die Exporte (Ausfuhren) und Importe (Einfuhren) einer Volkswirtschaft gegenübergestellt. Übersteigen die Exporte die Importe liegt ein Handelsbilanzüberschuss vor, dies ist beispielsweise in der Europäischen Union oder China der Fall. Führt ein Land dagegen mehr Waren ein als es exportiert, ist von einem Handelsbilanzdefizit die Rede – prominentester Vertreter sind hier die USA.

Handelsbilanzdefizit der USA steigt

Allein im vergangenen Jahr ist das US-Handelsbilanzdefizit auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. 2017 lag das Defizit (ohne Dienstleistungen) bei 566 Milliarden US-Dollar. Gegenüber 2016 ist dies ein Anstieg um 12,1 %. Der Großteil des Fehlbetrags ging dabei mit 375,2 Milliarden US-Dollar auf das Konto Chinas. Eine Entwicklung, die US-Präsident Donald Trump schon länger ein Dorn im Auge ist.

Mit protektionistischen Maßnahmen wie den erwähnten Strafzöllen soll dieses Defizit verringert werden. Doch ob diese Vorgehensweise den erwünschten Erfolg bringt, ist fraglich. China reagierte auf die Strafzölle prompt und belegte 128 US-Produkte, unter anderem Wein, Schweinefleisch und Früchte, mit Zöllen zwischen 15 und 25 %. Ein drohender Handelskrieg verunsichert die Finanzmärkte und sorgte in den vergangenen Wochen für starke Schwankungen an den internationalen Börsen. Ferner könnten die Strafzölle dazu führen, dass einige Güter in den USA teurer werden und die Konsumenten und teils die Industrie höhere Kosten hätten. Gelder, die letztendlich für Investitionen fehlen.

In einem weiteren Schritt forderte die US-Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf, ebenfalls stärker gegen Handelsungleichgewichte vorzugehen. So soll die Weltbank in Zukunft weniger günstige Kredite an China geben und dafür mehr an ärmere Länder.

Ist die Handelsbilanz wichtig?

Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass die Handelsbilanz Auskunft über die wirtschaftliche Stärke eines Landes gibt. Dies ist allerdings nur begrenzt richtig. Im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften sind die USA sehr groß, und der größte Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird durch die Binnenwirtschaft generiert. Die Exporte und Importe, welche für die Handelsbilanz verantwortlich sind, machen nur 12 bzw. 15 % des BIP aus. In Deutschland dagegen liegen die Werte bei 46 und 38 %. Damit wird deutlich, dass die Weltmärkte für die USA im Vergleich zu anderen Ländern nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ferner wird bei der klassischen Handelsbilanzberechnung die Internationalisierung der Produktion amerikanischer Unternehmen vernachlässigt. Zahlreiche US-Konzerne lassen ihre Produkte im Ausland herstellen und verschicken sie auch von dort.

Trotz eines riesigen Handelsbilanzdefizits sind die USA ein wirtschaftlich starkes Land, und es bleibt zu hoffen, dass die protektionistischen Maßnahmen letztendlich nicht mehr schaden als nutzen.

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