Der Goldstandard

Rund um den Globus haben Notenbanken die Druckerpressen in den vergangenen Jahren angeworfen. Kritiker verweisen auf den sinkenden Wert des Geldes und liebäugeln mit einer Rückkehr zum lange abgeschafften Goldstandard.

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 fluten die größten Notenbanken rund um den Globus die Finanzmärkte mit einer kaum vorstellbaren Liquidität. Unter dem Begriff Quantitative Easing hatte die US-Notenbank damit begonnen, monatlich Wertpapiere in Milliardenhöhe an den Finanzmärkten aufzukaufen. Durch die zusätzliche Liquidität konnte das Finanzsystem stabilisiert und ein größeres Durchschlagen der Finanzkrise auf die Weltwirtschaft verhindert werden. Andere wichtige Notenbanken wie die Bank of Japan oder die Europäische Zentralbank folgten dem Beispiel der amerikanischen Fed und drehten ihrerseits die Geldhähne kräftig auf. So sind die Zinsen in den vergangenen Jahren auf ein rekordniedriges Niveau zurückgefallen, während die Inflation bewusst angeheizt werden soll. Geld verliert hierdurch also an Wert.

Nostalgie in Gold

Fast 50 Jahre nach seiner Aufhebung bringen einige Ökonomen deshalb immer wieder die Rückkehr zum Goldstandard ins Spiel. Bei diesem System besteht eine Währung entweder aus Goldmünzen oder aus Papiergeld, das einen Anspruch auf Gold repräsentiert und deshalb jederzeit zu festen Wechselkursen in Gold eingetauscht werden kann. Die Notenbank des jeweiligen Staates garantiert dabei das Umtauschverhältnis und ist dabei auch stets in der Lage einen Umtauschanspruch in der gesamten Menge auszuführen.

USA als Hüter des Goldes

Als Blütezeit des Goldstandards gilt die Zeit um 1900, als von allen großen Volkswirtschaften der Welt nur China und Indien keine goldgedeckte Währung hatten. Mit einer Abkehr der europäischen Staaten vom Goldstandard endete mit dem Ersten Weltkrieg dessen Erfolgsgeschichte aber plötzlich. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte mit den USA nur noch ein einziger Staat ausreichend Goldreserven, um die eigene Währung damit zu unterlegen. Unter dem Eindruck eines höheren Finanzierungsbedarfs für den Ausbau von Sozialleistungen und Ausgaben im Vietnamkrieg hob Präsident Nixon am 15. August 1971 schließlich auch in den USA den Goldstandard auf.

Goldreserven reichen nicht

Den größeren finanziellen Spielraum seit der Aufgabe des Goldstandards nutzten die Industriestaaten in den vergangenen Jahrzehnten, um ihre Ausgaben überproportional zu steigern, was zu einem gewaltigen Anstieg der Staatsschulden geführt hat. Eine Rückkehr zum Goldstandard könnte die scheinbar unbegrenzte Kreditexpansion zwar eindämmen, allerdings dürfte ein solches Vorhaben schon von vornherein zum Scheitern verurteilt sein: Die Menge des verfügbaren Goldes ist schlicht zu klein für die heutige Weltwirtschaft bzw. der Goldpreis müsste sich für eine vollständige Deckelung in fünfstellige Kursregionen vervielfachen.

 

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