Der ATX und seine Unternehmen – Weltmarktführer Andritz

Was in einer kleinen Eisengießerei bei Graz vor rund 165 Jahren begann, ist heute eines der größten börsengelisteten Unternehmen Österreichs: die Andritz AG. Aktuell sind rund 25.200 Mitarbeiter in über 250 Standorten in mehr als 40 Ländern für den weltweit agierenden Technologiekonzern tätig.

Wahrscheinlich gibt es weltweit fast keinen Menschen, der nicht schon einmal direkt oder indirekt mit Produkten von Andritz in Berührung gekommen ist – kaum ein Unternehmen ist so breit aufgestellt wie Österreichs bekannter Technologiekonzern. So sind die Grazer führende Lieferanten von Anlagen, Ausrüstungen und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, die metallverarbeitende Industrie und Stahlindustrie, die kommunale und industrielle Fest-Flüssig-Trennung sowie die Tierfutter- und Biomassepelletierung. Weitere wesentliche Geschäftsfelder sind die Automatisierung sowie das Servicegeschäft. Ferner ist Andritz im Bereich der Energieerzeugung (Dampfkesselanlagen, Biomassekraftwerke, Rückgewinnungskessel sowie Gasifizierungsanlagen) und Umwelttechnik (Rauchgasreinigungsanlagen) tätig und bietet Anlagen zur Produktion von Vliesstoffen, Viskosezellstoff und Faserplatten sowie Recyclinganlagen an.

Beeindruckendes Wachstum
Bis Andritz zu einem Global Player aufstieg, war es allerdings ein langer Weg. Den Grundstein legte im Jahr 1852 der aus Ungarn stammende Josef Körösi, als er in der damals noch selbstständigen Gemeinde Andritz nahe der steirischen Landeshauptstadt Graz eine kleine Eisengießerei eröffnete. Anfangs beschränkte sich Körösi auf die Herstellung von kleinen Gusswaren. Doch schon bald erkannte er das Potenzial größerer Güter und begann auch Wasserturbinen, Kräne und Pumpen zu produzieren. Die Eisengießerei expandierte unglaublich schnell, und bereits acht Jahre nach der Gründung standen über 500 Mitarbeiter bei Körösi in Lohn und Brot.

Rückschlag nach dem Tod des Gründers
Weniger Erfolg bzw. Glück hatte Josef Körösis Sohn Viktor, welcher nach dem Tod des Gründers am 31. Jänner 1868 die Leitung der Firma übernahm. Infolge einer Wirtschaftskrise in Österreich und dem damit einhergehenden rückläufigen Auftragseingang war er gezwungen, über 1.000 Arbeiter zu entlassen. Später verkaufte er das Unternehmen an die Österreichische Alpine Montanunion.

Wenige Jahre später wechselte die Firma erneut den Besitzer. Im Jahr 1900 übernahm der österreichische Industrielle Max von Gutmann das Unternehmen und wandelte es in eine Aktiengesellschaft um – die Maschinenfabrik Andritz Actiengesellschaft war geboren. Unter von Gutmann baute Andritz die Angebotspalette weiter aus: Kräne, Ausrüstung für Tunnelbauten und Pumpen wurden wichtige Geschäftsfelder.

Krisen, Krieg und Neustart
Einen herben Rückschlag versetzte Andritz die Weltwirtschaftskrise, welche mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 begann. Drei Jahre später, im Jahr 1932, musste die Produktion sogar vorübergehend eingestellt werden. Doch der Fortbestand des Unternehmens wurde bewerkstelligt und die ehemaligen Mitarbeiter im Anschluss an die Krise wieder beschäftigt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Maschinenfabrik Andritz Actiengesellschaft an die in Berlin ansässigen Kämper Motorenwerke angegliedert. 1941 erwarb die deutsche DEMAG das Unternehmen. In dieser Zeit wurden hauptsächlich Dieselkompressoren, Kräne und Förderbänder produziert. Gegen Ende des Kriegs beschlagnahmten die Besatzungsmächte den Großteil der Produktionseinrichtungen als „deutsches Eigentum“. Engagierten Managern und Mitarbeitern gelang allerdings der Neustart.

Verluste und Happy End
Die Ölkrise zu Beginn der 1980er Jahre sowie die stagnierende Weltwirtschaft belasteten Andritz schwer und führten zu Verlusten. Dank staatlicher Subventionen sowie drastischer Rationalisierungsmaßnahmen konnte der Fortbestand des Unternehmens jedoch gesichert werden.

In den folgenden Jahren wechselte Andritz mehrmals den Hauptaktionär. Die neuen Eigentümer – bestehend aus Investmentgesellschaften und Finanzinvestoren – richteten das Unternehmen neu aus, tätigten Übernahmen und machten Andritz fit für den Börsengang. 2001 ging dieser dann erfolgreich an der Wiener Börse über die Bühne.

In den folgenden Jahren setzte die Andritz AG ihr Wachstum fort. Dank Forschung und Entwicklung sowie zahlreichen Zukäufen mit ergänzenden Produktportfolios zählt der Konzern heute in allen seinen Geschäftsbereichen zu den Weltmarktführern.

ZAHLEN & FAKTEN

Gründung: 1852
Sitz: Graz
Mitarbeiter: 25.162 (31.12.2016)
Umsatz: 6.039 Mio. Euro (31.12.2016)
ISIN: AT0000730007
Website: www.andritz.com

Fotos: andritz.com

Disclaimer:
Alle Angaben dienen nur der Unterstützung Ihrer selbstständigen Anlageentscheidung und stellen keine Empfehlung der Hello bank! dar.

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