Christine Lagarde: Welche Richtung schlägt die neue EZB-Chefin ein?

Mario Draghi ist seit 1. November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der 71-jährige Italiener versuchte, die Eurokrise mittels geldpolitischer Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Vielen Kritikern ging er dabei deutlich zu weit. So waren beispielsweise die Nullzinspolitik sowie die Anleihekäufe stets umstritten. Nach acht Jahren endet nun seine Amtszeit. Als Nachfolgerin wurde die Französin Christine Lagarde von den EU-Finanzministern nominiert. Die endgültige Ernennung soll beim EU-Gipfel im Oktober erfolgen. Im Anschluss müssen die Staats- und Regierungschefs final entscheiden, doch eine Absage gilt als sehr unwahrscheinlich. Die Finanzmärkte versuchen sich daher schon heute, auf die neue EZB-Chefin einzustellen und erwarten gespannt ihr zukünftiges Handeln.

Taube oder Falke?

Die Juristin Christine Lagarde ist seit 2011 Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Davor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin im Kabinett des französischen Premierministers François Fillon. Lagarde verfügt somit über ausreichend Erfahrung im Finanzbereich. Doch wie tickt die 63-Jährige eigentlich? Gehört sie eher dem Lager der so genannten Tauben, den Anhängern einer expansiven Geldpolitik, oder den Falken, den Verfechtern restriktiver Maßnahmen an? Draghi war ein klarer Freund der lockeren Geldpolitik. Experten sind sich einig, dass Lagarde dieser Linie aller Voraussicht nach treu bleiben und die Politik ihres Vorgängers fortsetzen wird.

Geringer Handlungsspielraum

Spannend dürfte allerdings die Frage sein, ob und wie sich Lagarde als erfahrene Politikerin zukünftig in die Politik einmischen wird. Da der Leitzins bereits seit geraumer Zeit auf null steht und die Einlagezinsen voraussichtlich noch im September um 0,10 % auf -0,50 % gesenkt werden, ist der Handlungsspielraum der EZB für weitere geldpolitische Maßnahmen sehr eingeschränkt. Natürlich ist eine Neuaufnahme der Anleihekäufe denkbar, doch Lagarde könnte möglicherweise auch die Regierungen verstärkt in die Verantwortung nehmen und zu Investitionen auffordern. Vor allem Deutschland könnte dazu angehalten werden, seine Spar-Politik aufzugeben und stattdessen Geld an den Anleihemärkten aufzunehmen und zu investieren.

Letztendlich dürfte Lagarde für die Börsen kein großes Risiko darstellen. Auch unter ihr werden die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben, was für die Finanzmärkte positiv zu bewerten ist.

Disclaimer: Dieser Artikel stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar.

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