Busch’s Börsen-News: Verfassungsreferendum, Bankenkrise und eine schwächelnde Wirtschaft – Italien im Fokus

Italien gehört zu den Sorgenkindern Europas. Die am Bruttoinlandsprodukt gemessen achtgrößte Volkswirtschaft der Welt kämpft nach wie vor mit den Folgen der Finanzkrise – die Wirtschaft stagniert und einige Banken befinden sich in einer gefährlichen Schieflage. Zudem droht neues Ungemach durch das Verfassungsreferendum im Herbst.

Wirtschaft kommt nicht in Fahrt

Mit einem Anstieg des BIP um 0,3 % im ersten Quartal 2016 standen die Zeichen für die italienische Wirtschaft gut – eine Fortsetzung des Wachstumskurses schien wahrscheinlich. Doch im zweiten Quartal trübte sich die Lage deutlich ein. Mit einem Wachstum von 0,0 % herrscht Stillstand in Italien. Mitverantwortlich für diese Entwicklung sind unter anderem eine schwache Binnennachfrage und fehlende Investitionen. Zudem belasten stark regulierte Arbeits- und Produktmärkte, eine schwache demografische Entwicklung sowie eine schwerfällige und oft korrupte Bürokratie das Wachstum. Deutlich wird dies beispielsweise an dem „Ease of doing Business!“-Indikator der Weltbank, der die Rahmenbedingungen für Unternehmen misst. Laut diesem befindet sich Italien im internationalen Vergleich nur auf dem 45. Platz, sogar hinter Ländern wie Rumänien, Kasachstan und Ungarn – Österreich liegt auf Platz 21.

Die nächste Bankenkrise droht

Neben der schwächelnden Wirtschaft bereitet derzeit vor allem der italienische Bankensektor vielen Börsianern, Anlegern und Politikern Sorgen. Einigen Banken, allen voran die älteste Bank der Welt, die Banca Monte die Paschi di Siena, befinden sich in gefährlicher Schieflage. Bei dem jüngsten Stresstest der EU-Bankenaufseher schnitt das 1472 gegründete Geldhaus so schwach ab wie kein anderes Institut in Europa. Laut offiziellen Angaben haben sich in den Bilanzen der italienischen Banken notleidende Darlehen in Höhe von rund 360 Milliarden Euro angehäuft, was ungefähr einem Fünftel des gesamten Kreditvolumens entspricht. Sollte es zu einem Zusammenbruch der italienischen Problembanken kommen, ist mit neuen Verwerfungen in Europa zu rechnen und weitere Banken könnten mit in den Abgrund gezogen werden. Der Grund hierfür sind die engen Verflechtungen der Institute untereinander. Mit rund 250 Milliarden Euro stehen beispielsweise französische Geldhäuser an der Spitze der Gläubiger – deutschen Banken droht im schlimmsten Fall ein Ausfall von etwa 80 Milliarden Euro. Um die Bedrohung abzuwenden, müssen die italienischen Banken rekapitalisiert werden. Allerdings sind staatliche Hilfen laut der EU-Bankenrichtlinie nicht mehr erlaubt. Damit soll verhindert werden, dass nicht wie in der Finanzkrise das Geld der Steuerzahler verwendet wird. Stattdessen sollen zuerst Aktionäre und Sparer des kriselnden Instituts herangezogen werden. Dies möchte Regierungschef Matteo Renzi allerdings vermeiden und befindet sich derzeit in zähen Verhandlungen mit der EU.

Ja oder Nein?

Nach der Brexit-Entscheidung droht nun ein weiteres Referendum für Turbulenzen an den Märkten zu sorgen. Im Herbst 2016 soll das italienische Volk über die in den vergangenen Jahren vom Parlament genehmigten Änderungen der Verfassungen abstimmen. Unter anderem soll die Macht der zweiten Kammer des Senats eingeschränkt werden und die Kompetenzen der einzelnen Regionen beschnitten werden. Dadurch soll ein effizienteres Regieren ermöglicht werden und Reformen leichter umgesetzt werden können. Sollte Renzi mit seinem Verfassungsreferendum scheitern, hatte er ursprünglich seinen Rücktritt angekündigt, doch inzwischen ruderte er wieder deutlich zurück und kündigte erst nach Ablauf der Legislaturperiode im Jahr 2018 Neuwahlen an. Nichtsdestotrotz könnte im Falle eines „Nein“ die gesamte bisherige Reformpolitik gefährdet sein. Zudem würden die Eurokritiker möglicherweise wieder die Oberhand gewinnen und die Mitgliedschaft Italiens in der Eurozone infrage stellen.

 

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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