Busch’s Börsen-News: Erholung in China – wo steht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt?

Alle Augen blicken seit einigen Monaten Richtung China: Läuft die Wirtschaft im Reich der Mitte gut, geht es auch dem Rest der Welt gut; schwächelt sie dagegen, drohen weltweit Turbulenzen. Besonders deutlich wurde dies zu Beginn des Jahres, als Sorgen um das chinesische Wirtschaftswachstum die globalen Aktienmärkte auf Talfahrt schickten.

Positive Konjunkturdaten

Umso erfreulicher sind daher die Nachrichten und Wirtschaftszahlen, die jüngst veröffentlicht wurden. So ist beispielsweise das Verbrauchervertrauen mit einem Anstieg von 111,3 auf 118,1 Punkten stärker gestiegen als erwartet. Zudem ist das Unternehmensvertrauen überraschend von 49 auf 50,2 gesprungen – ein Zeichen dafür, dass es auch in der Industrie wieder rund läuft. Positiv ist auch die Entwicklung des Dienstleistungssektors. Dessen Einkaufsmanagerindex ist im März von 51,2 auf 52,2 Punkte gestiegen. Sollten sich diese Entwicklung fortsetzen und die jüngsten Zahlen sich nicht als Eintagsfliege erweisen, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass China auf dem richtigen Weg ist und die Umstellung zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft langfristig funktionieren könnte. Die staatlichen Stimuli sowie die geldpolitischen Lockerungen der Bank of China könnten der zuletzt schwächelnden Wirtschaft weiter Rückenwind geben.

Die Weichen sind gestellt

Weitere Unterstützung ist von Seiten des Mitte März verabschiedeten 5-Jahres-Plans zu erwarten. Alle fünf Jahre stellt die chinesische Regierung mit diesem Plan die Weichen für die zukünftigen volkswirtschaftlichen Aktivitäten. Im Detail werden die Vorgaben für zu erbringende Produktion und Dienstleistungen sowie die dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen festgelegt. Folgende Punkte wurden dieses Jahr vom Volkskongress abgesegnet:

  • Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von durchschnittlich 6,5 %.
  • Erhöhung der Urbanisierungsrate auf 60 % (von 56,1 % in 2015).
  • Ausweitung der jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung auf 2,5 % des BIP (von 2,1 % in 2015).
  • Steigerung der Arbeitsproduktivität pro Kopf auf 120.000 CNY (von 87.000 CNY in 2015).
  • Ausbau des Schienen-Hochgeschwindigkeitsnetzes auf 30.000 km (aktuell: 19.000 km).
  • Ausbau des Autobahnnetzes auf 150.000 km (aktuell: 120.000 km).
  • Vollständige Versorgung mit Breitband-Internet in allen Landesteilen.
  • Reduktion der CO2-Emissionen im Vergleich zum BIP um 18 %.
  • Reduktion des Energieverbrauchs im Vergleich zum BIP um 15 %.
  • Reduktion des Wasserverbrauchs im Vergleich zum BIP um 23 %.

Ambitionierter 5-Jahres-Plan

Die Ziele des 5-Jahres-Plans sind durchaus ambitioniert und bekräftigen das Ziel einer Verdoppelung der Einkommen und der Wirtschaftsleistung bis 2020 gegenüber 2010. Um das Wirtschaftswachstum aufrecht zu halten sowie um den strukturellen Wandel voranzutreiben, sind zahlreiche Reformen nötig. Allein in diesem Jahr will die chinesische Führung rund 10 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Vor allem in der Forschung und im Dienstleistungssektor sollen die neuen Stellen entstehen. Auf der anderen Seite werden Überkapazitäten in Staatsbetrieben abgebaut. Zur Finanzierung der Reformen verabschiedeten die Abgeordneten auch eine Anhebung des Haushaltsdefizits von bislang 2,3 % auf zukünftig 3 %. Oberstes Ziel der Kommunistischen Partei ist die Deregulierung und Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Bis dato hat die chinesische Regierung ihre Versprechen und Vorgaben meist erfüllt. Gut möglich, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auch diesmal all die Zweifler und Kritiker überrascht. Antizyklische Anleger sollten allerdings langfristig investieren und mit einer erhöhten Volatilität rechnen.

 

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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