Busch’s Börsen-News: Die Brexit-Gefahr – welche Folgen hätte der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union?

Gebannt blicken derzeit viele Börsianer Richtung Großbritannien. Der so genannte Brexit – der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) – könnte für reichliche Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen.

Nachdem der britische Premierminister David Cameron der EU einige Reformen abringen konnte, muss er nun seine Landsleute vom Verbleib in der Union überzeugen. Am 23. Juni stimmen die Bürger Großbritanniens in einem Volksentscheid darüber ab, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt. Bis dahin werden vor allem die Börsen sehr sensibel auf Nachrichten aus dem Königreich reagieren, denn ein Brexit hätte vermutlich gravierende wirtschaftliche Folgen für ganz Europa.

Zahlreiche Unternehmen innerhalb der EU müssten im Falle eines Austritts mit Umsatzeinbußen rechnen. Wobei sich diese größtenteils in Grenzen halten sollten. So haben beispielsweise die 30 DAX-Konzerne im Jahr 2014 durchschnittlich weniger als 5 % ihrer Umsätze in Großbritannien erzielt. Nicht nur, dass dieser Anteil sehr gering ist, es dürfte auch sehr unwahrscheinlich sein, dass er komplett auf null fällt. Anleger müssen aber differenzieren, denn es gibt durchaus Unternehmen, für die der britische Markt eine wichtige Rolle spielt. Hier sind in erster Linie die Automobilkonzerne und die Banken zu nennen.

Insgesamt dürften aber die Folgen eines Brexits für die britische Wirtschaft schwerer zu verkraften sein. Denn die Länder der EU sind die größten Abnehmer für Waren und Dienstleistungen aus Großbritannien – rund 45 % der britischen Exporte gehen in Richtung europäisches Festland. Zollschranken und andere Handelshindernisse müssten möglichst schnell wieder abgebaut werden. Je nach Austrittsbedingungen schätzen Experten, dass das britische Bruttosozialprodukt 2017 rund 1 bis 1,5 % niedriger ausfallen würde als bei einem Verbleib in der EU.

Erste Auswirkungen eines möglichen Brexits sind derzeit schon bei der britischen Währung zu beobachten. Seit Wochen verliert das Pfund gegenüber dem Euro und dem US-Dollar an Wert – viele Investoren scheinen aufgrund der Unsicherheit vorsorglich die Flucht zu ergreifen.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die möglichen Zweitrundeneffekte, die sich allerdings nur sehr schwer einschätzen lassen. So müssten beispielsweise die wegfallenden britischen Beitragszahlungen an den EU-Haushalt von anderen Staaten aufgefangen werden. Dementsprechend könnten manche Mitgliedsländer Wohlfahrtsverluste erleiden. Zudem könnte ein Brexit Schule machen und andere EU-kritische Regierungen dazu verleiten, ebenfalls über einen Austritt nachzudenken bzw. abstimmen zu lassen.

Aktuell lässt sich noch keine klare Tendenz für oder gegen den EU-Austritt erkennen. Allerdings scheint sich die Stimmung momentan etwas mehr Richtung Brexit zu neigen. Neben Londons Bürgermeister Boris Johnson sprechen sich auch sechs Minister, darunter Justizminister Michael Gove, für einen Austritt aus. Laut jüngsten Umfragen liegen die Befürworter mit 36 % minimal vor den Gegnern mit 34 %. In den nächsten Wochen ist daher vor allem Premier Cameron gefordert, die Bevölkerung von einem Verbleib zu überzeugen und somit die nötigten Stimmen einzutreiben.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen.

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