Busch’s Börsen-News: Aus den Augen aus dem Sinn – wo steht Griechenland heute?

Am 19. August 2015 gaben die Euro-Finanzminister ihre Zustimmung für das dritte Hilfspaket für Griechenland. Das Paket hat einen Umfang von 86 Milliarden Euro und wurde an strenge Reformauflagen gekoppelt. Damals stand das Land kurz vor einer Staatspleite und einem Austritt aus der Eurozone. Doch wo steht das bekannteste europäische Krisenland heute und inwieweit wurden die Forderungen der Gläubiger umgesetzt?

Bis dato gibt es leider wenig Positives aus Athen zu berichten – die Regierung um Premierminister Alexis Tsipras ist mit der Umsetzung der Reformen deutlich im Verzug. Die erste Überprüfung der Reformen sollte eigentlich schon im Oktober vergangenen Jahres abgeschlossen sein. Doch die Kontrolleure der Geldgeber laufen quasi ins Leere. Laut dem griechischen Industrieverband wurden bis heute nur rund 15 % der Maßnahmen, die Athen umsetzen sollte, abgeschlossen. Bei ungefähr zwei Dritteln der Reformauflagen tut sich gar nichts.

Vor allem die von den Gläubigern geforderte Rentenreform stößt auf heftigen Widerstand. Stand heute gibt Griechenland mehr als 16 % seines Bruttoinlandsprodukts für die Rentenzahlungen aus. Dies ist ungefähr doppelt so viel wie im europäischen Durchschnitt. Um diese Quote zu verbessern und um von den hohen Kosten runterzukommen, soll Tsipras nach Ansicht der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) drei Maßnahmen umsetzen: Verlängerung der Mindestbeitragszeit für einen Rentenanspruch, Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters und nominale Rentenkürzungen.

Seit einigen Wochen protestieren Landwirte, Staatsbedienstete, Seeleute und Rentner gegen diese Maßnahmen, welche harte Einschnitte mit sich brächten. So müssten beispielsweise die griechischen Bauern in Zukunft dreimal so hohe Rentenbeiträge zahlen wie bisher. Die griechische Regierung befindet sich in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite müssen die Forderungen der Gläubiger erfüllt werden und auf der anderen Seite soll das eigene Volk nicht zu stark belastet werden.

Ebenfalls im Verzug befindet sich Griechenland bei der Privatisierung eigener Staatsbetriebe. Im Juli 2015 hatte sich die Regierung verpflichtet, Staatsbetriebe im Wert von rund 50 Milliarden Euro in einen Fonds zu überführen und diese nach und nach zu veräußern bzw. zu privatisieren. Mit den Erlösen sollten Schulden zurückgezahlt werden und neue Investitionen getätigt werden. Vor allem die deutsche Bundesregierung hat von diesem Fonds ihre Zusage für das dritte Hilfspaket abhängig gemacht.

Zwar zeigt sich in jüngster Zeit vor allem Deutschland milde gegenüber Griechenland und thematisiert die verschleppten Reformen nicht, da die Bundesregierung auch auf griechische Hilfe zur Bewältigung der Flüchtlingskrise angewiesen ist, doch bis spätestens Juli müssen deutliche Fortschritte zu sehen sein. Denn am 20. Juli müssen 3,5 Milliarden Euro an die Gläubiger zurückgezahlt werden und ohne die ausstehende Kredit-Tranche dürfte dies nicht möglich sein.

Einen kleinen Vorgeschmack, was ein erneutes Aufkochen der Griechenlandkrise bedeuten würde, gaben in den letzten Wochen die Finanzmärkte. So fiel beispielsweise der griechische Aktienindex erst vor wenigen Tagen auf ein neues 25-Jahres-Tief.

 

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

 

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