Behavioral Finance – oder warum uns die Psyche immer wieder ein Schnippchen schlägt

Wer hat sich noch nicht über die ein oder andere Anlageentscheidung im Nachhinein geärgert? Sei es, dass man eine Aktie zu früh verkauft hat oder auf einen angeblich todsicheren Tipp hereingefallen ist. Keine Sorge, all dies ist menschlich und wird immer wieder passieren. Um an der Börse erfolgreich zu agieren ist es allerdings wichtig, dass man weiß wo die eigenen Schwächen liegen und wie man sie möglichst umgehen kann.

Die Behavioral Finance oder auch Verhaltensökonomik beschäftigt sich genau mit diesen Punkten und erklärt menschliches Verhalten in wirtschaftlichen Situationen. Die Behavioral Finance zeigt auf, wie Anlageentscheidungen zustande kommen und welche Fehler immer wieder gemacht werden.

Die seit vielen Jahrzehnten vorherrschende Theorie des Homo Oeconomicus,  wonach Anleger immer alles wissen sowie effizient und rational handeln, geriet in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. Heutzutage vertreten immer mehr Fachexperten die These, dass Anleger in der Regel irrational handeln und somit auch in den Aktienkursen nicht immer alle Informationen eingearbeitet sind.

Leider ist es nach dieser Theorie unwahrscheinlich, eine bessere Rendite zu erzielen als der Gesamtmarkt. Auf der anderen Seite können dank der Behavioral Finance auch Verluste minimiert werden, was einen wichtigen Beitrag zu einem langfristig positiven Anlegeergebnis liefern kann. Anleger sollten daher die wichtigsten Erkenntnisse der Verhaltensökonomik kennen und sich diese immer wieder in Erinnerung rufen bzw. ihr eigenes Handeln danach ausrichten.

Eine der größten Schwäche vieler Anleger ist beispielsweise die Selbstüberschätzung. Lag man in der Vergangenheit mehrmals richtig, entsteht schnell der Glaube, dass dies nur an den eigenen Fähigkeiten liegt. Ähnlich wie beim Autofahren, glauben auch mehr als 50 % der Anleger, dass sie besser sind als der Durchschnitt. Ein Phänomen, das übrigens auch häufig bei professionellen Investoren anzutreffen ist.

Ebenfalls häufig anzutreffen ist die selektive Wahrnehmung. Viele Anleger nehmen nur Informationen wahr, die ihren eigenen Vorstellungen bzw. Meinungen entsprechen. Um dies zu verhindern, sollten Anleger stets auf der Suche sein nach Informationen, Nachrichten und Analysen, die einer Anlageentscheidung zuwiderlaufen oder sie in Frage stellen.

Jeder Anleger möchte die Gewinne maximieren und die Verluste minimieren, doch meist ist das Gegenteil der Fall. In der Regel werden Gewinne zu früh realisiert und Verluste deutlich zu spät. Die Ursache dafür ist, dass Verluste stärker empfunden werden als Gewinne in der gleichen Höhe. Aus diesem Grund lassen viele Anleger ihre Verluste laufen und hoffen, sie so aussitzen zu können. Obwohl es evtl. bessere Chancen in anderen Investments gibt. Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten Anleger schon vor einem Kauf festlegen, bei welchem Stand sie sich von dem Investment wieder trennen werden. Eine gute Hilfe können hierbei sogenannte Stop-Loss-Orders sein.

Die oben genannten Punkte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Feld der Behavioral Finance. Doch wer allein diese Hilfestellungen befolgt, kann möglicherweise so manche Schwäche ausmerzen und langfristig Erfolg an den Finanzmärkten haben.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

 

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