Bedingungsloses Grundeinkommen – nie mehr arbeiten: Traum oder Albtraum?

Jeden Monat Geld vom Staat zu bekommen, ohne dafür arbeiten zu müssen! Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch genau diese Aussicht steckt hinter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Seit einigen Jahren wird über diese Form des Einkommens nachgedacht und teils heftig diskutiert – für die einen ist es ein Traum, für die anderen ein Alptraum.

Was steckt hinter der Idee?

Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine staatliche finanzielle Zuwendung, die jedem Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – zusteht. Die Höhe des Grundeinkommens ist für alle Empfänger gleich und erfordert keinerlei Gegenleistung. Im Gegenzug würden allerdings Sozialleistungen, wie beispielsweise Pensionen, Arbeitslosengeld oder Kindergeld gekürzt werden oder ganz wegfallen. Durch die Einsparungen bei den Sozialausgaben sowie durch eine Reform der Einkommensteuer soll das Grundeinkommen finanziert werden. Immerhin waren Österreichs Sozialausgaben laut OECD 2016 mit einem Anteil von 27,8 Prozent am BIP die vierthöchsten in der EU.

Das bedingungslose Grundeinkommen soll es jedem Menschen ermöglichen, ein Leben ohne Existenzängste führen zu können. Weiters drohen durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung in Zukunft zahlreiche Jobs wegzufallen. Ein Grundeinkommen würde diese Situation entschärfen und sozial verträglich machen.

Pro & Contra
Die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens betonen, dass auf diese Weise die finanziellen Leistungen gerechter verteilt werden und somit mehr soziale Gleichheit herrscht. Zudem könnten die Menschen sorgenfreier und selbstbestimmter leben und die Berufe ausüben, die ihnen am meisten Spaß machen oder am sinnvollsten erscheinen. In Folge dessen würde die Produktivität steigen. Dank der materiellen Absicherung könnten die Menschen auch vermehrt kreative, innovative Ideen verfolgen und würden im Idealfall unternehmerisch tätig werden. Aber auch schlechter bezahlte soziale Berufe, wie beispielsweise Altenpflege oder auch ehrenamtliche Tätigkeiten, würden deutlich attraktiver werden.

Kritiker sehen dies anders. Im Gegensatz zu den Anhängern des bedingungslosen Grundeinkommens rechnen sie nicht mit einer steigenden Produktivität und einer hohen Arbeitsbereitschaft. Viel eher prognostizieren sie, dass die Motivation zu arbeiten nachlässt und im schlimmsten Fall sich ein Sozialschmarotzertum ausbreitet. Zudem stellen sie die heutigen Modelle zur Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens in Frage.

Was kostet das Ganze?

Die Innsbrucker Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung ist auf den Schätzwert von 27 Milliarden Euro jährlich gekommen. Nach deren Kalkulation (Jänner 2017) wäre das Modell mit 1.362 Euro für Erwachsene und 340 Euro für ein Kind durchführbar. Andere Länder wie die Schweiz gehen von einem Pauschalbetrag von 1.000 Euro pro Einwohner aus. So oder so wäre ein Leben ohne Arbeit theoretisch möglich.

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