Bar oder bargeldlos – wie halten es die Österreicher mit dem Bezahlen?

Ende April gab die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) den letzten 500-Euro-Schein aus. Obwohl die Banknote nach wie vor ein offizielles Zahlungsmittel ist, sehen viele Bürger in der Abschaffung des bis dahin größten Euroscheins den Anfang vom Ende des Bargeldes.

Pro und kontra des bargeldlosen Geldverkehrs

Zahlreiche Ökonomen plädieren für eine Abschaffung des Bargeldes. Ihrer Ansicht nach würde dies den Handlungsraum der Notenbanken deutlich erweitern. So könnten beispielsweise durch negative Zinsen auf dem Bankkonto den Konsum ankurbeln, da es nicht mehr möglich ist das Geld abzuheben und zuhause zu horten. Zudem wird immer wieder kritisiert, dass die Herstellungs- und Lagerkosten für kleine Münzen ihren volkswirtschaftlichen Nutzen übersteigen. Eines der am häufigsten genannten Argumente für die Abschaffung von Münzen und Scheinen ist die bessere Kontrolle des Zahlungsverkehrs. In einer bargeldlosen Welt gäbe es demnach angeblich deutlich weniger Schwarzarbeit, Geldwäsche und andere illegale Transaktionen.

Doch gerade die bessere Kontrolle bzw. Überwachung stößt vielen Menschen negativ auf. Ihrer Meinung nach ist gerade die Anonymität einer der größten Vorteile des Bargeldes. Ein weiterer Pluspunkt ist die direkte Kostenkontrolle. Wer bar bezahlt, hat seine Ausgaben meist deutlich besser im Griff als bei einer elektronischen Transaktion per Kreditkarte oder App. Und zu guter Letzt vermitteln Münzen und Scheine das Gefühl von Wert viel besser als eine Zahl auf dem Display.

Nur Bares ist Wahres?

Es gibt durchaus Länder, wie z.B. Schweden und Dänemark, in denen Bargeld eine immer kleinere Rolle spielt und selbst Kleinstbeträge im Alltag mit Karte oder Smartphone bezahlt werden. Österreich ist davon allerdings noch ein Stück weit entfernt. Es gibt kaum ein Land, in dem sich Bargeld so großer Beliebtheit erfreut, wie hierzulande. Laut Münze Österreich tragen Österreicher mit 74 Euro mehr Bargeld mit sich als Bürger im übrigen Europa. Zudem werden 96 % aller Ausgaben unter zehn Euro und 50 % der Zahlungen über 100 Euro in bar abgewickelt. Allerdings wird nur ein Drittel des inländischen Bargeldes als Zahlungsmittel verwendet. Die anderen zwei Drittel dienen der Wertaufbewahrung.

Auch wenn der 500-Euro-Schein nicht mehr ausgegeben wird und in Zukunft der bargeldlose Zahlungsverkehr zunimmt, ist das Ende des Bargeldes in weiter Ferne. Denn für eine Abschaffung des beliebten Zahlungsmittels bräuchte es eine gesamteuropäische Entscheidung und dass dies in den nächsten Jahren möglich ist, gilt als sehr unwahrscheinlich. Denn neben denen Österreichern gibt es in Europa noch viele andere Befürworter des Bargeldes.

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