Acht Gründe, warum Gold gar nicht so gut ist

  • Nach dem Flash-Crash in der vorigen Woche ist Gold für viele Anleger wieder interessant geworden.
  • Hier ein paar Argumente, weshalb man dabei vorsichtig sein sollte. Gold als Anlage ist riskant und verglichen mit Aktien oder Renten wenig attraktiv.
  • Es bietet auch nicht den Schutz vor Krisen und einer Zerrüttung des Geldsystems, wie viele meinen.

Soll man jetzt Gold kaufen? Keine Frage, so lautet eine Antwort, die man jetzt vielfach hört. Der Preis ist im Augenblick relativ niedrig. Er hat sich gegenüber dem bisherigen Höchststand fast halbiert. Vielleicht fällt er demnächst noch unter die Marke von 1 000 Dollar je Feinunze. Das müssten dann angesichts aller Krisen in der Welt eigentlich wieder Kaufkurse sein.

Eine solche Argumentation greift meines Erachtens zu kurz. Ich möchte daher hier etwas wider den Stachel der verbreiteten Goldeuphorie löcken. Nachfolgend acht Gründe, weshalb der Goldpreis nicht steigen muss, sondern auch sinken kann.

Erstens: Gold ist keineswegs so wertvoll und wertbeständig wie oft gesagt wird. In den letzten drei bis vier Jahren hat es eher mit fallenden Preisen Schlagzeilen gemacht. Bei dem Flash-Crash in der vorigen Woche sind binnen Sekunden Milliardenbeträge in den Sand gesetzt worden. Allein die Deutsche Bundesbank, die auf ihren Goldbestand so stolz ist, hat dabei rein rechnerisch einen Verlust in der Größenordnung von 5 Mrd. Euro gemacht. Darüber redet nur niemand.

Zweitens: Langfristig gesehen ist Gold anderen Anlageformen unterlegen. In den letzten dreißig Jahren ist der deutsche Aktienindex DAX auf mehr als das Zehnfache gestiegen, der deutsche Rentenindex REX auf das Sechsfache, der Goldpreis aber nur auf das Dreifache.

Drittens: Gold gehört zu den am wenigsten nützlichen Rohstoffen dieser Welt. Es ist zu weich, um es in größerem Stil in der Industrie zu verarbeiten. Nur weniger als 10% der Goldproduktion werden wirklich gebraucht (u.a. im Bereich der Elektro- und Medizintechnik). Über 50% werden als Schmuck verwendet. Nichts gegen Schmuck. Aber das ist eine Nachfrage, die wenig stabil ist. Wenn es den Menschen schlechter geht, kaufen sie als erstes weniger Schmuck.

Viertens: Die Zentralbanken als traditionell wichtige Nachfrager nach Gold fallen mehr und mehr als Käufer aus. Die Großen unter ihnen erwerben lieber Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Ein Grund für den jüngsten Einbruch des Goldpreises war, dass die chinesische Zentralbank weniger Goldreserven ausgewiesen hat als der Markt erwartet hatte. Ob die Notenbanken je wieder in großem Stil zu Goldkäufen zurückkehren werden, bezweifle ich.

Fünftens: Aus fundamentaler Sicht erscheint der derzeitige Goldpreis wenig attraktiv. Das Wachstum der Schwellen- und Entwicklungsländer als großer Käufergruppe am Goldmarkt geht zurück (Ausnahme Indien). Die Geldentwertung, die in der Vergangenheit den Goldpreis getrieben hat, ist niedrig. Die Zinsen sind so stark gefallen, dass sie nur noch nach oben gehen können. Damit muss der Anleger für das Halten von Gold nicht nur Lagerkosten zahlen, sondern auch auf mehr Zinsertrag bei anderen Anlagen verzichten. Der Euro könnte sich wieder aufwerten, womit die Wechselkursgewinne der Europäer beim Gold wegfallen.

Sechstens: Gold ist entgegen allem, was immer wieder gesagt wird, kein wirklicher Schutz gegen Krisen. Seit der Freigabe Anfang der 70er Jahre hat der Preis nur auf zwei große Krisen wirklich reagiert. Das waren die Ölpreisexplosion im Jahre 1980 und der Höhepunkt der Euro-Krise 2011/12. Bei so wichtigen Ereignissen wie der Russland- und der Asienkrise Ende der 90er Jahre, dem Attentat am 11. September 2001 in New York oder beim Zusammenbruch der Lehman Bank 2008 hat er kaum gezuckt.

Siebtens: Gold ist auch keine Hilfe gegen die Zerrüttung des Finanzsystems, die wir derzeit erleben. Noch nie zuvor in der Nachkriegszeit war das Vertrauen in die Stabilität des Geldes so angeknackst wie heute. Geld ist praktisch wertlos geworden. Es gibt Blasen an den Märkten, die eines Tages platzen werden. Die Theoretiker alternativer Geldsysteme haben Hochkonjunktur. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Gold nicht eine Renaissance erleben sollte. Doch nichts passiert. Weder rührt sich der Goldpreis, noch sehe ich eine Begeisterung für eine Rückkehr der Goldwährung. Der Grund ist ganz einfach. Die Goldwährung war bei weitem nicht so gut, wie oft behauptet wird. Die Preise schwankten damals sehr viel stärker als heute. Mal gingen sie in einem Jahr um 20% nach oben, dann aber im nächsten um 15% nach unten. Das hängt natürlich mit der Starrheit der Gold-Geldmenge zusammen, die sich nicht an die Entwicklung der Wirtschaft anpassen und sie glätten kann. Erst als die Goldwährung aufgegeben wurde, wurde auch die Geldwertentwicklung stetiger. Die großen Kritiker des gegenwärtigen Währungssystems plädieren daher nicht so sehr für die Rückkehr zu einer Goldwährung. Sie treten eher ein für ein Ende des staatlichen Geldangebotsmonopols und eine Privatisierung des Geldsystems.

Achtens, was oft übersehen wird: In der Goldwährung war es den privaten Anlegern in vielen Ländern verboten, Gold zu besitzen (zum Beispiel in den USA). Wer Gold kauft, um damit in einer Goldwährung reich zu werden, steht am Ende vielleicht ohne da.

Für den Anleger: Der Goldpreis lebt davon, dass die Menschen an die Wertbeständigkeit des gelben Metalls glauben. Man sollte Gold kaufen, wenn man sich dadurch besser fühlt, nicht aber, um Geld zu verdienen. Vor allem sollte man daraus keine allgemeingültigen Regeln formulieren. Ich halte das alte Postulat, 5 bis 10% seines Vermögens in Gold zu halten, für überholt. Es war vielleicht sinnvoll, als der Goldpreis fix war oder sich langfristig in einem Aufwärtstrend befand (wie in den Jahren 2000 bis 2010). Jetzt gilt es nicht mehr.

 

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar und kann keine fachliche Beratung durch einen Anlage- und/oder Steuerberater ersetzen. Bitte beachten Sie, dass die dargestellten Finanzinstrumente den allgemeinen Wertpapierrisiken unterliegen, insbesondere auch dem Bonitätsrisiko des Emittenten und dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals.

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