Öl weiter auf Talfahrt

Nicht nur die Aktienmärkte mussten in den letzten Wochen deutlich Federn lassen, auch der Ölpreis kennt scheinbar nur eine Richtung: nach unten. Anfang der vergangenen Woche durchbrach der Preis für die US-amerikanische Sorte WTI sogar die 40-US-Dollar-Marke pro Barrel. Auslöser für den jüngsten Kursrutsch des schwarzen Goldes sind in erster Linie die Konjunktursorgen in China. Sollte der weltweit größte Ölimporteur tatsächlich schwächeln und möglicherweise eine globale Rezession auslösen, ist mit einer zurückgehenden Nachfrage zu rechnen. Doch nicht nur die Sorgen um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt belasten den Ölpreis, auch der aktuelle Angebotsüberhang spielt eine große Rolle. So sind beispielsweise die Lagerbestände der USA so hoch wie seit 80 Jahren nicht mehr. Trotz der niedrigen Preise läuft die Ölförderung derzeit auf Hochtouren.

Laut Bloomberg überschreiten die OPEC-Mitglieder teilweise sogar ihre selbstgesetzte Quote von 30 Millionen Barrel pro Tag. Auf diese Weise will vor allem der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien eine Reihe von Konkurrenten aus dem Markt drängen, die einen deutlich höheren Ölpreis benötigen, um profitabel produzieren zu können. Ein ähnliches Ziel verfolgen anscheinend auch die USA, die trotz der relativ hohen Fracking-Kosten ihre Förderung ausgeweitet haben. Die Hauptverlierer dieses Preiskampfes sind daher auch außerhalb des Nahen Ostens und der USA zu finden. Ein weiterer Grund, der den Ölpreis in naher Zukunft weiter belasten könnte, ist die Rückkehr des Ölproduzenten Iran auf den Weltmarkt nach dem Ende der Sanktionen. Laut pessimistischen Prognosen der Weltbank ist dadurch ein weiterer Rückgang von rund 10 US-Dollar pro Barrel denkbar.

Neben der Weltbank äußern sich auch zahlreiche andere Experten negativ über die weitere Entwicklung des Ölpreises. So hält beispielsweise US-Analyst Gary Shilling sogar einen Rückgang bis in den Bereich von 10 bis 25 US-Dollar für möglich. Fundamental und charttechnisch spricht aktuell vieles für eine Fortsetzung der Talfahrt, jedoch ist zumindest kurzfristig ein Rebound nicht ausgeschlossen. In der letzten Woche nahmen laut Commitments of Traders Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission die Netto-Long-Positionen großer und kleiner Spekulanten zum vierten Mal in Folge ab. So pessimistisch waren die Händler zuletzt Ende März dieses Jahres. Kurz danach stieg der Ölpreis um über 40 % an. Allerdings sollten Anleger nicht sofort in das fallende Messer greifen, sondern lieber eine erste Bodenbildung abwarten.

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